Dansgaard-Oeschger- und Heinrich-Events
Die eiszeitlichen Klimate waren nicht so stabil wie bis vor kurzem gedacht. Es kam vor allem im nordatlantischen Raum (Europa und Nordamerika) immer wieder zu Temperatursprüngen von bis zu 10 Grad Celsius in 10 Jahren (in der Größenordnung).
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Abrupte Sprünge im nordalantischen Raum zwischen den 3 stabilen Klimazuständen der glazialen Erde (nach diversen Publikationen von Stefan Rahmstorf, PIK Potsdam). Auf der linken Seite
sind die zyklischen Änderungen in der Stärke der Sonneneinstrahlung
(Insolation, roter Balken) dargestellt. Die Sprünge in den besonders
warmen Zustand (Dansgaard-Oeschger-Event) und in den kältesten
Zustand (Heinrich-Event, mit Zusammenbruch des thermohalinen Zirkulationsbandes)
geschahen sehr plötzlich, bei Überschreiten der jeweiligen Schwellwerte
(schwarze Balken). Genauere Erläuterungen siehe unten im Text ! Klicken Sie hier für eine Vergrößerung der Anmimation (2,66 MB !). |
Schon kleinste Störungen konnten
das Vorstossen der warmen Nordatlantikströmung (fälschlich auch "Golfstrom"
genannt) ins Nordmeer und damit eine plötzliche Erwärmung in dieser
Größenordnung auslösen. Das heutige Klima scheint im Gegensatz
dazu viel stabiler zu sein.
Im Verlauf des letzten Glazials (Weichsel)
kam es mehr als zwanzig Mal zu solchen plötzlichen Erwärmungen (Dansgaard-Oeschger-Events),
die - nur auf den Nordatlantikraum, also Nordamerika und Europa, bezogen - jeweils
einige hundert bis maximal tausend Jahre andauerten.
Im glazialen (instabilen !) "Normalzustand" (Insolation zwischen
den beiden Schwellwerten = schwarzen Balken auf der Animation) floss warmes
Oberflächenwasser aus der Karibik nur bis südlich von Island, gab
dort seine Wärme an die Luft ab, versank in die Tiefe ("Tiefenwasserbildung",
extrem wichtig für den Transport gelösten Sauerstoffs in die Meerestiefen
!) und floss als kalter Tiefenstrom nach Süden zurück und wieder bis
in Indik und Pazifik (thermohaline Zirkulation).
Noch weniger stabil waren zwei andere Strömungszustände (bei Insolationen
unter und über den Schwellwerten = schwarze Balken in der Animation):
Bei wärmerem Gesamtklima sprang die Nordatlantikströmung irgendwann
relativ plötzlich in einen Zustand, in dem das warme Atlantikwasser über
Island hinaus bis in das Nordmeer vordrang (ähnlich wie heute). Dies entspricht
den Dansgaard-Oeschger-Events mit ihren sehr plötzlichen Erwärmungen
z.B. in Europa und auf Grönland.
Bei kälterem Gesamtklima riss die Strömung irgendwann völlig
ab, die thermohaline Zirkulation brach zusammen,
und der Wärmetransport in den Norden erlosch. Folge waren plötzliche
Klimaabkühlungen im Nordatlantikraum, die als Heinrich-Events bezeichnet
werden.
Man nimmt heute an, dass ein Sonnenzyklus mit etwa 1500jähriger Periode
die übergeordneten minimalen Insolationsschwankungen (siehe roter Balken
links auf der Animation) bewirkt hat,
welche der Auslöser für diese Klimasprünge waren. Vermutlich
haben sich in den glazialen "Normalphasen" bei langsamer Gesamterwärmung
die gegensätzlich wirkenden Faktoren (1) Eindampfung in der Karibik und
(2) geringere Abkühlung beim Strömen nach Norden über längere
Zeiten gegenseitig stabilisiert, bis dann irgendwann der Faktor (2) so stark
überwog, dass es zu dem plötzlichen Sprung der Strömung
bis in das Nordmeer kam. Ein umgekehrter Vorgang schein bei den Heinrich-Events
wirksam gewesen zu sein. So kann man die doch sehr plötzlichen Sprünge
mit den Erwärmungen um 10 Grad in nur einem Jahrzehnt erklären.
(zurück zur jungkänozoischen
Vereisung)