![]() |
Einteilung des Juras in die drei Serien Unter-, Mittel- und Oberjura (mit absoluten Datierungen) und die weitere Untergliederung in elf Stufen (nach der International Stratigraphic Chart der IUGS, 2000). |
Plattentektonische Entwicklung:
![]() |
Plattentektonische
Situtation der Erde vor ca. 200 Ma (Unterjura), vereinfacht, umgezeichnet
und ergänzt nach R. Blakey (Univ. of Arizona), website =
|
Pangäa-Superkontinentzyklus:
Pangäa setzte seinen Zerfall zuerst sehr langsam, am Ende des Jura aber
zunehmend schnell fort. Generell hatte Pangäa aber noch seine bekannten
Konturen wie in Perm und Trias.
Durch das in der Obertrias aufgebrochene Riftsystem kam es zur Öffnung
des schnell breiter werdenden Zentralatlantiks. Schon im Unterjura drang das
Meer hier wiederholt ein und hinterließ anfangs mächtige Evaporite.
Die älteste ozeanische Kruste des Atlantik hat hier ein Alter im Bereich
der Grenze zwischen Unter- und Mitteljura (ca. 175 Ma). Auch in anderen Gebieten
der Erde stammt die älteste weitflächig erhaltene ozeanische Kruste
aus dem Jura, so an den äußeren Randbereichen des Zentralatlantik
oder im Westpazifik.
An einem Transform-Störungssystem kam es im westlichen Tethysbereich
zur Öffnung des später im Verlauf der Alpenentwicklung
wichtigen Penninischen Ozeans.Die kimmerische Orogenese am Südrand Asiens
setzte sich verstärkt fort. Im westlichen Nordamerika wurden im Verlaufe
des Jura große Terranes wie Wrangellia (siehe Trias)
angegliedert, es kam dadurch zur nevadischen Orogenese.
Am Ende des Oberjura brach auch der Nordatlantik auf, anfangs im Süden
noch durch das Biskaya-Rift und nicht, wie später in der Kreide, zwischen
Iberischer Platte und Nordamerika. Auch der Zerfall von Gondwana (als Südhälfte
der Pangäa) setzte mit der Bildung eines Rifts und einer Meeresingression
zwischen Afrika und Antarktis/Indien bereits im Mitteljura ein.
![]() |
Plattentektonische Situtation der Erde vor ca. 160 Ma (Mitteljura), vereinfacht, umgezeichnet und ergänzt nach R. Blakey (Univ. of Arizona), website = http://vishnu.glg.nau.edu/rcb, hier auch weitere Bilder der jurassischen Erde |
Der Jura war eine
Zeit weltweiten Meeresspiegelanstieges,
mit einer zumindest lokal sehr ausgeprägten Regression an seinem Ende
(Jura/Kreide-Grenze). Er repräsentiert die Frühphase der mesozoischen
Greenhouse-Ära und zeichnet
sich durch weltweit warme und feuchte
Klimate mit einem ausgeprägten Megamonsun
aus. Gegen Ende des Jura wurde es kurzfristig etwas kälter
und trockener, die Windsysteme stellten sich von longitudinalen (N-S) auf
bevorzugt meridionale (W-E) Richtungen um: Die auch heute noch dominierenden
W-E-Jetstreams der Nordhalbkugel etablierten sich. Geringe Vereisungsspuren
finden sich auf der Nordhalbkugel.
Ab dem Oberjura lassen sich schärfere klimatische Gegensätze zwischen
tropisch-subtropischen und nördlicheren (borealen) Klimaten und Faunen
/ Floren (Biogeographie) beobachten.
Die Sauerstoffgehalt der Atmosphäre
stieg, vom heutigen Niveau ausgehend, durch den Jura hindurch etwas an.
Der CO2-Gehalt stieg ebenfalls deutlich
(Aufbruch Pangäas, Produktion ozeanischer
Kruste mit vulkanischer Entgasung), sank aber im Oberjura, verbunden
mit einer Klimaabkühlung, wieder
ab.
Europa und Nordamerika:
Nach der Regression an der Trias/Jura-Grenze
wurde Mitteleuropa im Unterjura wieder vom Meer überflutet. Zu dieser
Zeit gab es hier kaum Landgebiete, die marinen Verbindungen nach Norden
sowie nach Süden zur Tethys waren offen. Es überwogen Tongesteine,
im Oberlias weit verbreitet auch bitumenreiche Schwarzschiefer, die Posidonienschiefer,
wichtige Erdölmuttergesteine des europäischen Raumes.
Entgegen der globalen transgressiven Tendenz wurden im Mitteljura und noch
stärker im Oberjura aufgrund regionaler tektonischer Vorgänge
in Mitteleuropa mehr und mehr Landgebiete herausgehoben und ehemalige marine
Verbindungswege (z.B. zwischen Nord- und Süddeutschland) geschlossen.
Somit ergibt sich hier über den Jura hinweg eher eine regressive Gesamtentwicklung
(besonders im Oberjura).
Deshalb schalteten sich im Dogger zunehmend Sandsteine und Eisenoolithe,
im Oberjura auch Kalkoolithe und andere Kalke (auch Riffkalke) ein. Das
berühmteste Gestein des Jura ist der fossilreiche Solnhofener Plattenkalk
aus dem Obermalm von Franken.
![]() |
|
Der Solnhofener
Plattenkalk wurde im Tithonium (höherer Oberjura) am Nordrand
der Tethys im heutigen südfränkischen Raum in sogenannten
"Wannen" zwischen Riff-Hochstrukturen abgelagert. In besonders
gut geeigneten Lagen lassen sich mm-feine, große Platten abspalten,
die schon in der Römerzeit als Baumaterial Verwendung fanden,
später auch für die Lithographie. Berühmt sind diese
Gesteine auch für ihre außergewöhlich guten Fossil-Erhaltungsbedingungen
(z.B. Archäopteryx). |
Die Pflanzenwelt:
Im Jura wird die
Hauptphase der phytischen Ära des Mesophytikums
(Dominanz der Nacktsamer) fortgesetzt. Auf die Entwicklung
von Großgruppen bezogen war der Jura eher eine Zeit der Stasis.
Wichtigste Gruppen waren die Koniferen, Ginkgogewächse
und - noch stärker als in der Trias - ganz besonders die Palmfarne
(Cycadeen und Cycadeoideen), danenben die Samenfarne. Die
Ginkgogewächse hatten ihre höchste Diversität im Jura (bis
in die Unterkreide), seitdem sind sie wieder Rückgang begriffen. An
feuchten Standorten dominierten weiterhin die Sporenpflanzen,
v.a. die Farne und Schachtelhalme.
Über weite Flächen fern der unmittelbaren Gewässernähe
und der feuchten Niederungen gab es während des Jura ausgedehnte Nadelwälder,
mit einer zunehmenden Anzahl auch heute noch existierender Koniferenfamilien.
Im Oberjura waren lokal (Süddeutschland) auch sukkulente Koniferen
häufig.
Die Tierwelt:
Im marinen Bereich kan es, nach dem Aussterben
vieler Gruppen am Ende der Trias zu einer
erneuten schnellen Radiation der "modernen"
Invertebratenfauna. Kleinere Aussterbeereignisse noch vor dem Ende des
Unterjura (Pliensbachium) und am Ende des Oberjura werden z.T. durch verstärkte
vulkanische Aktivitäten erklärt. Beide sind aber im Vergleich
zu den "großen fünf"
eher unbedeutend.
Im mittleren Mitteljura und tieferen Oberjura waren weltweit Kieselschwämme
an der Bildung von Riffen beteiligt (z.B. Schwammriffe
der Fränkischen und Schwäbischen Alb). Bei den Korallen fand eine
weitere Radiation der Scleractinia statt. Weit verbreitete Korallenriffe
gab es v.a. im Oberjura. Die Riffe am Rand von Pangäa wanderten in
ihrer Hauptverbreitung in zwei Schüben nordwärts bis zu ihrer
maximal nördlichen Position an der Jura/Kreide-Grenze.
Die Muscheln setzten ihre in der Trias begonnene
stetige Diversitätszunahme fort. Im Unterjura kam es in Schwarzschiefern
zu Massenvorkommen von "Posidonien". Im Flachmeer wurden mit den
Myiden die grabenden Formen sehr häufig und formenreich. Bei den Epibenthonten
sind Trigonien (im Oberjura) und Gryphaeen (im Unter- und Mitteljura) auch
stratigraphisch wichtig. Die Buchien ersetzen im Jura/Kreide-Grenzbereich
des borealen (nördlichen) Raumes die dort meist fehlenden Ammoniten
als Leitfossilien.
Bei den Gastropoden entwickelten sich viele marine Gruppen zu höherer
Diversität weiter. Die Allogastropoda wurden mit der Gruppe der Nerineen
auch biostratigraphisch bedeutend. Auf den Kontinenten breiteten sich Süßwasserschnecken
rasch aus, hierunter schon seit dem Unterjura auch die ersten sicheren Lungenschnecken
(Pulmonata), die ab dem Oberjura bis heute häufige Elemente der Süßwasserfaunen
darstellen.
Die Nautiloideen waren ab dem Jura fast bedeutungslos.
Im Gegensatz dazu
stellen die Ammonoideen mit den Ammoniten i.e.S. im Jura die Haupt-Zonenleitfossilien.
Es werden ca. 50 Zonen unterschieden, die wiederum oft weltweit korrelierbar
sind. Für die ca. 70 Ma des Jura ergibt sich somit eine durchschnittliche
Zonendauer von wenig mehr als 1 Ma. Ein auch für Nichtspezialisten
für die Biostratigraphi einfach anzuwendender genereller Trend bei
der Skulpturentwicklung der Jura-Ammoniten ist:
- Einfachripper überwiegen
im unteren und mittleren Lias
- Sichelripper überwiegen im oberen Lias und im unteren Dogger
- Gabel- oder Spaltripper überwiegen vom mittleren Dogger bis zum mittleren
Malm
- Fiederripper überwiegen im oberen Malm
Sogenannte "Faunenhorizonte" (typische Assoziationen mehrerer
Arten) lassen eine noch weitaus genauere Biostratigraphie zu (durchschnittliche
Zeitdauer von nur 100 ka!).
Die Belemniten entwickelten sich aus den Aulacoceraten mit Beginn des Jura
und dominierten den Ökotyp des schnellen Schwimmers unter den Cephalopoden
(Gilde des schnellen Carnivoren des "modernen"
Faunentyps) durch den ganzen Jura und die ganze Kreide
bis zu ihrem Aussterben an der K/T-Grenze.
Belemniten waren in Jura und Kreide oft so häufig, dass sie als
Leitfossilien nutzbar sind. Allerdings erschwert ihre Merkmalsarmut eine
solche Nutzung. Sicherlich war die Evolutionsgeschwindigkeit höher,
als die Rostren dies dokumentieren.
Als Brachiopoden sind Rhynchonelliden und Terebratuliden in küstennah
abgelagerten Gesteinen oft massenhaft vertreten, aber biostratigraphisch
weniger bedeutend. Die Rhynchonelliden erlebten ihr Diversitätsmaximum.
Die Wirbeltiere:
Die Amphibien spielten nach dem Aussterben einiger Gruppen am Ende
der Trias ab dem Jura nur noch ihre heutige eingeschränkte Rolle.
Dagegen war der Jura die große Zeit der Reptilien,
besonders mit der enormen Diversifikation und Größenzunahme der
Dinosaurier. Hierunter werden, mehr oder weniger willkürlich, zwei
Ordnungen landbewohnender Reptilien zusammengefaßt: Ornithischia (Vogelbeckensaurier)
und Saurischia (Echsenbeckensaurier). Während die Ornithischia eigentlich
erst in der Kreide größeren Erfolg
hatten, erlebten die Saurischia schon im Jura erste Höhepunkte.
Als Saurischia werden die pflanzenfressenden, sehr groß werdenden
Sauropoden und die fleischfressenden, zweibeinig jagenden Theropoden zusammengefaßt.
Die Sauropoden erreichten mit Riesenformen von (zumindest in der Theorie)
über 40 m Länge im Oberjura ihren Entwicklungshöhepunkt,
während die Größenentwicklung bei den Theropoden erst in
der Kreide kulminierte. Neuere Funde scheinen
aber darauf hinzudeuten, dass gigantische Sauropoden noch bis in die
Unterkreide existierten.
Entwicklungshöhepunkte durchliefen auch die meeresbewohnenden Ichthyosaurier
und Plesiosaurier sowie im Oberjura die flugfähigen Pterosaurier. Beständig
diverser wurden auch die Schildkröten und Krokodile.
Die von ihnen abstammenden Säugetiere
wurden nach ihrem Erstauftreten in der Trias nun
im Jura schon etwas formenreicher, bleiben aber noch immer sehr klein (bis
rattengroß) und im Vergleich zu den Dinosauriern unbedeutend.
Die Vögel gingen offenbar im Jura aus Vertretern
der Theropoden, mit denen sie zahlreiche Skelettmerkmale
gemein haben, hervor. Mittlerweile sind auch bei einigen Theropoden schon
Federn nachgewiesen worden, sodass dieses Merkmal nicht die Vögel
als solche definiert. Die ersten fossilen Nachweise von Vögeln stammen
aus dem Oberjura, wobei die süddeutsche Archäopteryx am
bekanntesten ist (Solnhofener Plattenkalk).