Die Bezeichnung stammt
von dem Begriff "Cambria", dem römischen Namen für Nordwales,
wo in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die altpaläozoischen
Schichtfolgen erstmals untergliedert wurden (Sedgwick 1835). Mit dem Kambrium
beginnte das Phanerozoikum, das Äon hartteiltragender Tierwelt und der
Biostratigraphie, sowie das Paläozoikum, die Ära mit altertümlicher
mariner Tierwelt. Üblich ist eine Gliederung in Unter-, Mittel- und Oberkambrium.
Die internationale Stufengliederung ist noch uneinheitlich. Leitfossilien
im marinen Bereich sind hauptsächlich Trilobiten, darüberhinaus Archaeocyathiden
und Conodonten.
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Einteilung des Kambriums in die drei Serien Unter-, Mittel- und Oberkambrium (mit absoluten Datierungen, nach International Stratigraphic Chart der IUGS, 2000). Die Untergliederung in Stufen ist international noch nicht gültig geregelt. |
Plattentektonische
Entwicklung:
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Plattentektonische
Situtation der Erde vor ca. 510 Ma (Mittelkambrium), vereinfacht,
umgezeichnet und ergänzt nach R. Blakey (Univ. of Arizona),
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Der Rodinia-Superkontinentzyklus nähert sich mit dem Zerfall von Rodinia in zahlreiche Einzelkontinente seinem Ende. Die meisten Kratone lagen in äquatornaher Position: Nordamerika (Laurentia), Sibiria, große Bereiche von Gondwana (Ur-Südkontinent). Nordosteuropa (Baltica oder Fennosarmatia) lag noch in höheren südlichen Breiten, südlich von Nordamerika, zwischen beiden Kontinenten der Iapetus-Ozean. Ein Inselbogen (Taconischer Bogen) näherte sich Nordamerika von Süden. Der Iapetus- und der Ural-Ozean verbreiterten sich zu dieser Zeit noch durch Krustenproduktion an mittelozeanischen Rücken (rote Linien).
Das Kambrium war eine Phase starken weltweiten Meeresspiegelanstieges, im Einzelnen durch kleinere Re- und Transgressionen gegliedert. Klimatisch lag fiel die Zeit in den Übergang von einer langfristigen Icehouse- zu einer langfristigen Greenhouse-Ära. Es gab keine ausgeprägten Vereisungen mehr, außer evtl. noch ganz zu Anfang.
Die Temperaturen waren höher als heute. Der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre lag ungefähr in der gleichen Größenordnung, der CO2-Gehalt stieg durch verstärkte vulkanische Entgasung (Zerfall von Rodinia, Produktion ozeanischer Kruste) bis zum 18fachen des heutigen Wertes. Durch die hohen Temperaturen bedingt (aber auch im Zusammenhang mit paläogeographischen Faktoren) war das Kambrium eine Zeit maximaler weltweiter Evaporitbildung.
Europa und Nordamerika:
Im Gebiet der späteren
kaledonischen
Gebirgsbildung erweiterte sich der Iapetus-Ozean zwischen Laurentia und
Fennosarmatia. Auf beiden Seiten wurden randlich flachmarine Sedimente abgelagert.
Zu Verfaltungen kam es noch kaum (Nordnorwegen). Der Südrand des Baltischen
Schildes wurde durch die kambrische
Transgression überflutet. Es kam anfangs zur Sedimentation vor allem
von Sandsteinen (u.a. Scolithos-Sandstein, häufiges pleistozänes
Geschiebe), später von Kalken und Alaunschiefern.
In den mitteleuropäischen Senkungszonen wurden in dem damaligen Meeresgebiet
zwischen Baltica und Gondwana (Rhea-Ozean) unterschiedlichste marine Gesteine
abgelagert, teils küstenfern, teils küstennäher, auch Archaeocyathidenkalke.
Das paläogeographische Bild wird durch die zahlreichen perdigondwanischen
Terranes in diesem Gebiet erheblich kompliziert. Eines davon war die "Allemanisch-Böhmische
Schwelle". Nördlich davon lag der noch kaum bekannte, da tief unter
mächtigem Deckgebirge verborgene Törnquist-Ozean ("norddeutsche
Kaledoniden").
Die Pflanzenwelt:
Im Kambrium findet die phytische
Ära des Proterophytikums
ihre Fortsetzung. In den Flachmeeren gab es eine reiche Lebewelt verschiedenster,
z.T. schon hoch entwickelter vielzelliger Algen mit Zelldifferenzierung ("Thallophyten")
wie Rotalgen, Grünalgen (Dasycladaceen, Codiaceen), Braunalgen usw, auf
den Kontinenten aber vermutlich nur Bakterien und Pilze, evtl. schon Moose
(?), aber wohl noch keine Gefäßpflanzen.
Die Tierwelt:
Auf den Kontinenten
gab es noch keine Tiere.
Im flachmarinen Bereich ereignete sich die kambrische
Explosion der wirbellosen
Tiere mit rapide steigender Diversität und der Entwicklung vieler
dann später im Verlaufe des Altpaläozoikums wieder ausgestorbener
Großgruppen (Experimentierphase des Kambrium, kambrische
Fauna, bekannt v.a. durch die Burgess-Schiefer und die Chenjiang-Schichten).
Das Kambrium war die Hauptphase der Trilobiten, mit steigender Diversität
in seinem Verlauf und Höhepunkt im Oberkambrium. Sie waren die Orthostratigraphen
(Hauptleitfossilien) des Systems. Am Ende stand ein mehrphasiges
Aussterben innerhalb einiger Familien.
Brachiopoden gehören zu den ältesten fossil belegten Metazoen, nachgewiesen
schon ab dem unteren Unter-Kambrium und somit vor den ersten Trilobiten. Vorläufer,
noch ohne Hartschale, waren damit wahrscheinlich schon im späten Präkambrium
existent. Im Kambrium dominierten die Inartikulaten mit chitinphosphatischer
Schale, mit einer Radiation im unteren Kambrium. Auch erste Artikulaten (alle
mit Kalkschale und Schloss, Orthiden und Pentameriden) entwickelten sich.
Im Oberkambrium finden sich allererste Korallen. Auch die ältesten Gastropoden
stammen aus dem oberen Kambrium. Ihr Ursprung ist umstritten, wird jedoch
heute meist bei den Monoplacophoren gesehen. Die Bellerophontiden, planispirale
Formen des Paläozoikums, werden teils als die primitivsten Schnecken,
teils als Monoplacophoren gedeutet.
Auch die ältesten Cephalopoden sind bereits aus dem Kambrium beschrieben:
Sehr einfach gebaute, primitive Nautiloideen mit gekammertem, gestrecktem
Gehäuse und zentralem Sipho.
Einige primitive Echinodermengruppen (noch ohne fünfstrahliges Ambulakralsystem)
kamen bereits seit dem Mittelkambrium vor, erlangten jedoch noch kaum Bedeutung.
Die Graptolithen begannen im Ober-Kambrium mit sessilen, buschförmigen
Dendroidea (mit bimorphen Theken), die mehr oder weniger unverändert
bis ins Karbon reichten.
In den letzten Jahren sind erste primitive Wirbeltiere
schon aus dem Kambrium bekannt geworden.