![]() |
Der aus diversen Quellen errechnete oder interpretierte Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt der Erdatmosphäre im Verlaufe des Phanerozoikums. Neben den absoluten Werten (Skalen links und rechts) ist zum Vergleich auch der heutige Wert angegeben (rote und blaue Strichellinie). (umgezeichnet nach Van Andel 1994 aus Brenchley & Harper 1998) |
Der Sauerstoffanteil hatte,
anders als noch bis vor wenigen Jahren vermutet, wohl schon vor dem Kambrium
in etwa das heutige Level erreicht. Er sank dann im Verlaufe des Altpaläozoikums
unwesentlich ab, um mit dem Devon und vor allem im
Karbon extrem (auf einen vorher und nachher nie erreichten
Wert) anzusteigen. Der Grund hierfür liegt im Entstehen der ersten
ausgedehnten Wälder auf der Erde und der damit verbundenen Steigerung
der photosynthetischen Sauerstoffproduktion. Danach sank der Sauerstoffgehalt
der Atmosphäre schnell wieder ab, im Zuge allgemeiner Klimaabkühlungen,
zusätzlich aber wohl auch infolge der Entwicklung der sauerstoffzehrenden
Tierwelt und der allgemeinen Anpassung der Regelkreisläufe an die "neuen"
Quellen. Das folgende Mesozoikum
verzeichnet wieder leicht steigende Sauerstoffgehalte (durch Wiederansteigen
der Bioproduktion durch vermehrtes Gedeien der Pflanzenwelt in der mesozoischen
"Greenhouse"-Ära, in der Kreide
wohl auch durch die Neuevolution der effizienteren Angiospermen).
Im Verlaufe des Känozoikums sanken die
Sauerstoffgehalte infolge der sukzessiven Klimaabkühlungen (känozoische
"Icehouse"-Ära) wieder ab.
Der Kohlendioxidanteil der Atmosphäre ist besonders stark mit der vulkanischen Entgasung an mittelozeanischen Rücken, also mit der plattentektonischen Aktivität, korreliert. Deshalb stieg er im Zuge des Zerfalls des Rodinia-Superkontinentes zu Beginn des Phanerozoikums zuerst stark an, um anschließend mit dem zunehmenden Aufbau des Pangäa-Superkontinentes in mehreren Stufen wieder abzusinken. Ein besonders starker Abfall ist mit erdgeschichtlich relativ schnellen Aufkommen erster weitausgedehnter Wälder im Karbon und dementsprechend hohem CO2-Entzug aus der Atmosphäre verbunden. Beide Faktoren kamen hier zusammen (wenngleich langfristig natürlich die zur Kernzeit Pangäas geringe plattentektonischen Aktivität die größere Rolle spielte), so dass die Erde anschließend bis in die Trias hinein in eine ausgeprägte (und damit CO2-arme) "Icehouse"-Ära geriet. Im Jura und besonders in der Kreide stieg der CO2-Gehalt wieder an, um, parallel zum O2-Gehalt, im Känozoikum auf das heutige Niveau abzusinken. Eine kurzfristiger Rückgang während des Überganges vom Jura zur Kreide zeigt sich auch in der Temperaturentwicklung.
![]() |
|
Klimayzklen 1. Ordnung ("Sandberg-Zyklen") der letzten 600 Millionen Jahre. Mehrfach wechselten langfristige Kaltphasen (Icehouse) und Warmphasen (Greenhouse). Der CO2-Gehalt der Atmosphäre korreliert sowohl mit den Temperaturen als auch mit der Skelett-Mineralogie einiger Gruppen mariner Kalkschaler. Umgezeichnet nach Sandberg (1983). |
Die intensiven Beziehungen zwischen Plattentektonik, CO2-Gehalt der Atmosphäre und Temperaturen zeigen sich auch in langfristigen Klimazyklen (nach ihrem Erstautoren auch "Sandberg-Zyklen genannt), die die letzten 600 Ma der Erdgeschichte beherrschten. Bei geringen CO2-Gehalten dominieren kältere Klimate ("Icehouse"-Ären, nicht immer, aber oft mit Eiszeiten), bei hohen Gehalten an diesem Treibhausgas wärmere Klimate ("Greenhouse"-Ären). Wir leben derzeit mitten in einer solchen "Icehouse"-Ära, die nächste Vereisung kommt bestimmt!