Der Name für dieses
System richtet sich nach der kreidigen Ausbildung von Teilen der Oberkreide
("Schreibkreide", z.B. Rügen, Mön, Cliffs von Dover), seit
d`Halloy (1822). Üblich ist eine Gliederung in Unterkreide und Oberkreide
(mit jeweils 6 Stufen aus dem französischem und nierderländischem
Sprachraum). Im Sprachgebrauch ist auch häufig von einer "mittleren
Kreide" die Rede, was bei Betrachtungen zu klimatischen Entwicklungen Sinn
macht. "Neokom "ist ein veralteter Begriff für die untere bis
mittlere Unterkreide, "Wealden" für die nichtmarinen Anteile
der Unterkreide, "Senon" für die mittlere bis obere Oberkreide.
Hauptleitfossilien im marinen Bereich sind Ammoniten,
planktonische Foraminiferen und kalkiges Nannoplankton, daneben benthonische
Foraminiferen, Radiolarien, Calpionellen, Ostracoden, Belemniten, Seeigel und
Muscheln, im nichtmarinen Bereich Landpflanzen, Sporen und Pollen, Ostracoden
und Charophyten.
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Einteilung der Kreide in die beiden Serien Unter- und Oberkreide (mit absoluten Datierungen) und die weitere Untergliederung in zwölf Stufen (nach der International Stratigraphic Chart der IUGS, 2000). |
Plattentektonische Entwicklung:
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Plattentektonische
Situtation der Erde vor ca. 130 Ma (Unterkreide), vereinfacht,
umgezeichnet und ergänzt nach R. Blakey (Univ. of Arizona),
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Plattentektonische
Situtation der Erde vor ca. 100 Ma (mittlere Kreide), vereinfacht,
umgezeichnet und ergänzt nach R. Blakey (Univ. of Arizona),
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Der Südatlantik
öffnete sich ebenfalls im Verlaufe der Kreide. Während in der Unterkreide
allerdings anfangs noch nichtmarine Bedingungen herrschten (ganz oben, gleiche
Süßwasserostracoden z.B. in Brasilien und Gabun), erst später
im Süden auch marine Bedingungen einsetzten, kam es erst mit Beginn der
Oberkreide zur vollständigen Trennung unter ozeanischer Krustenbildung
(oben).
Der Zerfall Gondwanas wurde auch durch die Separation Indiens von Antarktis/Australien
verstärkt (oben), später fielen auch diese beiden Kontinente auseinander
(unten). Indien begann seine Nordwanderung, die im Neogen
zur Kollision mit Asien und zur Auffaltung des Himalaya führte.
Der Pazifik wurde im Verlaufe der Kreide durch Subduktion erheblich verkleinert.
Nordamerika wuchs wie im Jura von Westen her durch Angliederung zahlreicher
exotischer Terranes.
In der West-Tethys (heutiges Alpen- und Mittelmeergebiet) verstärkte
sich die alpidische Orogenese mit ersten Höhepunkten. Grund hierfür
sind Kollisionsvorgänge zwischen der Afrikanisch-Arabischen, der Eurasischen
und dazwischenliegenden Mikroplatten.
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Plattentektonische
Situtation der Erde vor ca. 70 Ma (Oberkreide), vereinfacht,
umgezeichnet und ergänzt nach R. Blakey (Univ. of Arizona),
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Die Kreide war eine
Phase weltweit sehr hoher Meeresspiegel,
mit bedeutenden Regressionen zwischendurch und an seinem Ende (Maastrichtium).
Nach manchen Autoren wurde in der Oberkreide der höchste Meeresspiegelstand
des gesamten Phanerozoikums erreicht.
Verbunden mit den hohen Meeresspiegeln war die Hauptphase der mesozoischen
Greenhouse-Ära. Weltweit waren
warme und feuchte Klimate verbreitet,
v.a. in der Oberkreide. Geringe Vereisungsspuren
finden sich auf der Nordhalbkugel v.a. in der Unterkreide, einer Zeit offenbar
heftigerer Klimaschwankungen und Nord-Süd-Temperaturgradienten als lange
angenommen. Die Temperaturen waren weltweit
v.a. in der mittleren Kreide rapide ansteigend bis auf das zweithöchste
Niveau seit dem Silur/Unterdevon, anschließend fand eine Abkühlung
kurz bis zur Kreide/Tertiär-Grenze statt
(siehe auch Modellierungen).
Der atmosphärische Sauerstoffgehalt
stieg bis zum Ende der Kreide stetig an. Anfangs war auch stark ein ansteigender
CO2-Gehalt bis zum 6fachen (oder mehr?)
des heutigen Wertes zu verzeichnen, der später wieder deutlich
absank. Die CO2-Entwicklung korreliert perfekt mit der Produktionsrate
ozeanischer Kruste und der damit verbundenen vulkanischen Entgasung.
Europa und Nordamerika:
Nach der Regression am Ende des Jura
waren zu Anfang der Kreide in vielen Gebieten (auch Norddeutschland) nichtmarine
Sedimente verbreitet, die zu dieser Zeit als "Wealden" (noch der
Typusregion in Südengland) bezeichnet werden. Im Nordseeraum und Süddeutschland
herrschte aber weiter eine marine Entwicklung vor, dazwischen lag die Mitteldeutsche
Landschwelle.
Mit der globalen Transgression in
der Unterkreide wurden diese Gebiete zu unterschiedlichen Zeiten wieder vom
Meer überflutet. Nach Norddeutschland gelangte es über den polnischen
Trog. Der höhere Teil der Unterkreide ist überall in Mitteleuropa
marin, wobei dunkle Gesteinsfarben und Tone vorherrschen, Sandsteine nur gelegentlich
und randlich. Es bestand aber weiter die deutliche Trennung (wie im Oberjura)
zwischen borealen (nördlichen) und tethyalen (südlichen) Faunenprovinzen.
Mit der Unterkreidetransgression wurden im Raum Salzgitter wirtschaftlich
ehemals sehr bedeutende "Trümmereisenerze" in submarinen Kolken
angereichert.
In der "mittleren Kreide" (Aptium bis Turonium erfolgte eine äußerst
weitreichende Transgression, die
weite Gebiete überflutete, mit Höhepunkt im Cenomanium (Basis der
Oberkreide). Es kam zur Ablagerung mächtiger Kreidesedimente (Plänerkalke
im Becken, glaukonitische Grünsande an den Rändern), anschließend
wieder zu Regressionen. Das Becken
war salztektonisch bereits durch Schwellen gegliedert.
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Plänerkalke
(unten) des Cenomanium und Rotpläner (oben) des Turonium sind
typische Gesteine der norddeutschen Oberkreide. Pläner sind (oft
sehr fossilreiche) feinkörnige, plattige Kalke, die aus den kalkigen
Resten planktonischer Mikroorganismen zusammengesetzt sind. Die enorme
Karbonatproduktion dieses Abschnitts der Erdgeschichte korreliert
mit hoher Bioproduktivität und hoher Verfügbarkeit von CO2
in Atmosphäre und Ozeanen. Der Name "Pläner" leitet
sich aus der sächsischen Mundart ab ("Plauener" Kalke). |
Eine weitere bedeutende
Transgression im "Senon"
(Coniacium bis Maastrichtium) mit Höhepunkt im Obercampanium bewirkte
den nach manchen Autoren höchsten Meeresspiegelstand des gesamten Phanerozoikums
(bis zu 300 m über dem heutigen Niveau?), was zur Überflutung weiter
Gebiete Mitteleuropas führte. Hier sedimentierten im Becken die feinstkörnige
pelagische Schreibkreide mit Lagen von Feuersteinknollen, meist ehemaliger
Schlick aus Coccolithen, kalkigen Dinoflagellatenzysten und Foraminiferen,
und in den Randbereichen als Baumaterialien so bekannte Formationen wie der
Elbsandstein.
Strukturgeologische Vorgänge im Zusammenhang mit der Nordatlantiköffnung,
dem Salzaufstieg und der beginnenden alpidischen Orogenese
bewirkten auch in Norddeutschland eine Reihe kleinerer tektonischer Phasen.
Die alpidische Orogenese erreichte im Alpenraum
in der Oberkreide einen ersten Höhepunkt.
In Nordamerika wurde im Zuge der oberkretazischen Transgressionen
der Interior Seaway angelegt, der eine Verbindung zwischen südlichen
und borealen Provinzen schaffte.
Die Pflanzenwelt:
Innerhalb der Unterkreide verläuft der Übergang zwischen den phytischen
Ären des Mesophytikums (Dominanz
der Nacktsamer) und des Känophytikums
(Dominanz der Bedecktsamer oder Angiospermen) ohne scharfe Grenze und zeitlich
asynchron, äquatornah früher als in höheren Breiten. Die Überlieferung
von Angiospermenpollen (mittlerweile fast ab der Basis der Kreide) eilt der
Überlieferung von Angiospermen-Blattfloren (ab dem Aptium) zeitlich weit
voraus.
In der Kreide kam es zum Aussterben der Samenfarne
und der Palmfarngruppe der Bennettiteen (Cycadeoidea)
sowie zu einem generellen Rückgang auch der anderen Nacktsamergruppen
(Ginkgos, Koniferen, weitere Palmfarne)
zugunsten der Angiospermen.
Schon in der Oberkreide waren weltweit ausgedehnte (Angiospermen)-Laubwälder
verbreitet, so z.B. auf den Nordhängen des damaligen Harzes und/oder
auf vorgelagerten Inseln ("Qedlinburger Senonflora").
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Diese Blätter von verschiedenen Laubbäumen aus dem Santonium der Tongrube unterhalb der Altenburg SW von Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) sind typische Vertreter der berühmten "Quedlinburger Senonflora". Fotos: Grabung im Rahmen der Lehrveranstaltung Paläobotanik, Juni 2001 |
Die Herkunft der Angiospermen
muss weiterhin als ungeklärt gelten, Samenfarne und Palmfarne werden
zumeist als Ursprungsgruppe favorisiert.
Das Aussterbeereignis an der KT-Grenze hatte
keinen großen Einfluss auf die Evolution der Floren, lediglich
auf deren zeitweilige Zusammensetzung (z.B. "fern spike" in Nordamerika,
zeitweiliges Überwiegen von Farnen aufgrund der mit dem Aussterbeereignis
verbundenen Klimaverschlechterung).
Die Tierwelt:
Im marinen Bereich wurde die Radiation der Invertebratenfauna
fortgesetzt. Die "moderne" Fauna
bekam Zuwachs durch eine ganze Reihe wichtiger Gruppen unter Eroberung neuer
ökologischer Nischen, insbesondere bei den Krebsen, Schnecken und Seeigeln.
Bei den Korallen ist in der Kreidezeit eine weitere Radiation der Scleractinia
zu beobachten. Von den hermatypischen Formen spalteten sich wiederholt spezielle
Linien ab, die ab der Unterkreide sogar zu koloniebildenden Tiefwasserformen
führten. Ein besonders leichter Skelettbau, der hohe Wachstumsgeschwindigkeiten
ermöglicht, wurde in der Oberkreide entwickelt.
Die Muscheln entwickelten sich in Vielfalt und Bedeutung zu ihrem bisherigen
Höhepunkt: Zahlreiche Gruppen spielten in fast allen aquatischen Bereichen
eine entscheidende Rolle. Die korallenartig wachsenden Rudisten
waren die
wichtigsten Riffbildner der Oberkreide. Die Inoceramen sind mit ihren diagenetisch
gut erhaltungsfähigen Calcit-Prismenschalen wichtige Leitfossilien in
der Schreibkreide, wo Aragonitschaler kaum erhaltungsfähig sind. Beide
Gruppen starben am Ende der Kreide aus.
Bei den Gastropoden nahm die Diversität in allen Gruppen enorm zu. Die
Nerineen stellen weiterhin (wie schon im Jura) wichtige
Leitfossilien dar. Erste Landschnecken entwickelten sich aus mehreren Gruppen,
aber die meisten gehörten zu den Pulmonaten (Lungenschnecken).
Bei den Ammonoideen dauerte die Radiationsphase bis zum Ende der Kreide an
(Ammonitina und Ancyloceratina, untergeordnet Phylloceratina und Lytoceratina.
Die ammonitische Lobenlinie (mit zerschlitzten Sätteln und Loben) überwog.
Die Ancyloceratina ("aberrante" Formen der Kreide) entstanden vermutlich
als polyphyletische Gruppe aus mehreren Wurzeln. Alle vier Linien starben
am Ende der Kreide nachkommenlos aus.
Die Belemniten waren wie im Jura z.T. als Leitfossilien
z.T. wichtig, vor allem in Gesteinen mit schlechter Erhaltung von Aragonitschalern
wie der Schreibkreide (Belemnitenrostren bestehen aus Calcit).
Im flachmarinen Bereich nahm im Verlaufe der Kreide die Brachiopoden-Gruppe
der Rhynchonelliden in der Diversität ab, die der Terebratuliden hingegen
zu. Die K/T-Grenze brachte geringe Einschnitte,
aber kein Aussterben von Großgruppen.
Bei den Seeigeln fand eine enorm starke Radiation der endobenthonischen irregulären
Formen statt, die mit ihren Calcit-Coronen auch als Leitfossilien in der Schreibkreide
wichtig sind.
Die Wirbeltiere:
Bei den Reptilien kam es in der Oberkreide zum
Rückgang der Sauropoden, während die Theropoden mit Tyrannosaurus
und anderen Gattungen erst jetzt die größten Formen entwickelten.
Die Ornithischier wurden im Verlaufe der Unterkreide diverser, es kamen große
Pflanzenfresser wie Iguanodon hinzu. Manche Autoren sehen hier eine
Co-Evolution mit der raschen Entwicklung der Angiospermen (ansonsten wird
meist eine Co-Evolution mit Insekten genannt). Flugsaurier nahmen in der Diversität
ab, entwickelten aber Riesenformen.
Die Diversität der Vögel stieg stark
an, besonders in der Oberkreide.
Bei den Säugetieren gab es weiterhin
nur kleine Formen. Es entwickelten sich aber schon die ersten Beuteltiere
(Marsupialia) und Plazentatiere. Die dominierende Gruppe waren die später
im Paläogen ausgestorbenen Multituberculaten.
Am Ende der Kreidezeit steht das bekannteste, aber nicht das größte
Massenaussterben der Erdgeschichte (KT-Event).
Bekannteste Opfer waren die Gesamtgruppen der Dinosaurier, Ammoniten, Belemniten
und Rudisten.