Das Massenaussterben an der Kreide/Paläogen-Grenze ("KT-Event")

Am Ende der Kreidezeit steht das bekannteste, aber nicht das größte Massenaussterben der Erdgeschichte. Als Abkürzung bzw. geradezu als Schlagwort für dieses "Ereignis" hat sich aus Zeiten, als das "Tertiär" noch ein offizieller Begriff der stratigraphischen Nomenklatur war (noch gar nicht so lange her!), die Bezeichnung "KT-Event" oder einfach "KT" (für Kreide/Tertiär) eingebürgert. Natürlich darf man diesen Begriff weiter verwenden, exakter wäre aber "Kreide/Paläogen-Grenze".

Unter den "großen Fünf" des Phanerozoikums war dieses Massenaussterben nach der Anzahl ausgestorbener Gattungen das am wenigsten bedeutsame. Es waren sowohl die "paläozoische" als auch, etwas geringer, die "moderne" evolutionäre Fauna betroffen, weniger die "kambrische". Vor allem betroffen waren Riffgemeinschaften, Suspensionsfresser und große Räuber, weniger die Detritusfresser und kleinere bis mittelgroße Räuber. Bekannteste Opfer waren die Gesamtgruppen der Dinosaurier sowie weiterer großer Reptilien, Ammoniten, Belemniten und Rudisten. Das Aussterbeereignis hatte aber keinen großen Einfluss auf die Evolution der Floren, lediglich auf deren zeitweilige Zusammensetzung (z.B. "fern spike" in Nordamerika, zeitweiliges Überwiegen von Farnen aufgrund der Klimaverschlechterung).

Unter den 3 evolutionären marinen Invertebratenfaunen sind sowohl die "paläozoische" als auch die "moderne" stark betroffen worden. Die "kambrische" evolutionäre Fauna ist mit ihren ganz wenigen Vertretern, die die Perm/Trias-Grenze überhaupt überlebt hatten, für solche Betrachtungen nicht mehr relevant.

Synthese der paläomagneti-schen, paläon-tologischen und geochronologi-schen Daten der Dekkan-Basalte. Die Laven flossen in mehreren Phasen während ca. 500 ka aus, mitten hierin befindet sich die K/T-Grenze.

Nach Courtillot (1999).

Dieses heftig diskutierte und auch in der Populärwissenschaft extrem bekannte "KT-Event" hatte sicherlich mehrere Ursachen (und nicht, wie oft fälschlich behauptet, nur den Asteroiden-Impakt):
1. Generelle Meeresregressionen und Klimabkühlungen schafften schon generell über die letzten Millionen Jahre der Kreidezeit zunehmend schlechtere Bedingungen für wärmeliebende Faunen sowohl in den Meeren als auch auf den Kontinenten. Evident war auch die Einschränkung der besonders in der Oberkreide sehr ausgedehnten Karbonatschelfe.
2. In diese schon länger anhaltenden schlechten und bereits zu einem leichten Ansteigen der Aussterberaten führenden Bedingungen hinein kam es nun zusätzlich für ca. 500 ka zu enorm verstärktem basischem Vulkanismus (Dekkantrapp in Indien) mit Schwefelaerosol- und Staubbildung (kurzfristige Abkühlungen) und Ausstoß von Treibhausgasen (langfristige Erwärmungen). Folge waren starke Klimainstabilitäten in diesem Zeitraum und darüber hinaus, die ähnlich wie an der Perm/Trias-Grenze diverse Folgen nach sich zogen, darunter auch Störungen im normalen Kohlenstoffkreislauf und in den ozeanischen Systemen, was zu nochmals beschleunigten Aussterberaten führte. Der zeitliche Zusammenhang ist mittlerweile so gut datiert (siehe oben), dass es hierüber keinen Zweifel geben kann. Ein Zufall kann dieses Zusammentreffen kaum sein!
3. Der vielzitierte Einschlag eines großen Himmelskörpers im Gebiet des heutigen Yucatan (Chicxulub-Krater) mit seinen klimatischen Folgen (Zusammenbruch der Nahrungsketten) ist ebenfalls mittlerweile sicher nachgewiesen, und zwar durch den Krater selbst sowie Iridium-Anomalien, geschockte Quarze und Tektite in der KT-Grenzschicht weltweit. Aktuelle Daten könnten allerdings darauf hindeuten, dass der Einschlag 200-300 ka zu früh erfolgte.
Die Folgen des Impakts waren über einen geologisch kurzen Zeitraum ohne Zweifel äußerst dramatisch. Es sind gut fundierte Berechnungen und Szenarien publiziert worden, die riesige Flutwellen, extrem saure Regen, "atomare Winter", Zusammenbrüche der Nahrungsketten, weltweite Waldbrände, extrem hohe Temperaturen durch den Rücksturz in den Weltraum geschleuderten Fallouts ("microwave model") und ähnlich schlimme Dinge währscheinlich gemacht haben.
Auf keinen Fall stellt dieser Impalt aber die alleinige Ursache für das KT-Massenaussterben dar, sondern er kam noch zusäztlich zu den beiden obengenannten und längerandauernden Faktoren 1 + 2 hinzu, was schließlich zu den bekannten Folgen führte.