Massenaussterbe-Events im Phanerozoikum

Seit es auf der Erde Organismen in einer gewissen Artenzahl (Diverstität) gibt, sind diese immer wieder von Phasen erhöhter Aussterberaten dezimitert worden. Alle Tier- und Pflanzenarten sterben nach einer mehr oder weniger langen (im geologischen Zeitmaßstab eher kurzen) Zeit aus, aber in diesen Phasen des Massenaussterbens (auch Massenaussterbe-"Events" genannt) verstärkte sich das normale Aussterbe-"Hintergrundrausch" um eine Vielfaches.
Im Proterozoikum gab es noch keine genügend große Diversität der Organismen, um Zeiten des Massenaussterbens erkennen zu können. Allenfalls ist ein mit der neoproterozoischen Eiszeit ("Schneeball Erde") zeitgleicher (und wohl dadurch bedingter) starker Artenrückgang bei den Acritarchen (einzellige Algen mit Sporopolleninhülle) in den jungpräkambrischen Meeren so zu bezeichnen.

Die fünf größten Massenaussterbe - Events im Phanerozoikum:
1 Oberordovizium,
2 "Kellwasser", 3 Perm/Trias, 4 Trias/Jura, 5 Kreide/Paläogen (KT)
Die Faunen lassen sich vom ökologischen Grundtypus her in 3 Gruppen gliedern: "kambrische", "paläozoische" und "moderne" Fauna.
Datenbasis nach Sepkoski (1981).

Die wirklich großen Massenaussterbe-Phasen, z.T. erhebliche Einschnitte in die Faunen-Diversität (nicht so in die Floren-Diversität!) fanden jedoch im Phanerozoikum statt. Neben einer ganzen Reihe von weniger bedeutenden Phasen verstärkten Massenaussterbens sind es vor allem fünf Zeitscheiben, in denen innerhalb weniger Millionen Jahre (oder sogar nur einer halben Millionen Jahre) bis zu 95 % aller marinen Tierarten ausstarben. Diese als "die großen fünf" bekannten Events sind:
Das Massenaussterben im Oberordovizium
Das Massenaussterben im Oberordevon ("Kellwasser-Event")
Das Massenaussterben an der Perm/Trias-Grenze
Das Massenaussterben an der Trias/Jura-Grenze
Das Massenaussterben an der Kreide/Paläogen-Grenze ("KT-Event")

Ein Problem bei der quantitativen Analyse der Aussterberaten ist natürlich immer die Tatsache, dass ja in der fossilen Überlieferung diejenigen Gruppen stark überrepräsentiert sind, die mineralisierte Hartteile haben und somit wesentlich besser erhaltungsfähig sind als z.B. "Würmer" ohne jegliche Skelette, Schalen etc. Trotzdem gibt es genügend Fossildokumentation (als Abdrücke oder Spurenfossilien z.B.), um auch bei solchen Gruppen die Überlebensraten im Zuge bedeutenderer Massenaussterbe-Events abschätzen zu können. Hier ist eine Einschätzung der Aussterberaten aller mariner Invertebratengruppen bei den "großen Fünf" (nach Jablonski 1994):

Zeit

Familien

% Gattungen %
beob. gesch. beob. gesch.
Oberordovizium 26 84 60 85
Oberdevon 22 79 57 83
Perm/Trias 51 95 82 95
Trias/Jura 22 79 53 80
Kreide/Paläogen (KT) 16 70 47 76

Hieraus ist deutlich ersichtlich, dass das Ereignis an der Perm/Trias-Grenze, welches gleichzeitig die Grenze zwischen Paläozoikum und Mesozoikum definiert, das mit Abstand bedeutendste war. Das KT-Event hingegen (Kreide/Paläogen-Grenze) ist zwar aufgrund des damit verbundenen spektakulären Aussterbens der Dinosaurier und des Aufpralls eines großen Asteroiden auf der Erde das bekannteste, aber auf die marine Invertebratenfauna bezogen (und damit für das System Erde in all seinen komplizierten Stoffkreisläufen) das am wenigsten bedeutende Massenaussterbe-Event der "großen Fünf".

Die bisher hauptsächlich diskutierten GRÜNDE FÜR MASSENAUSSTERBEN sind:

1) Impakt von großen Himmelskörpern wie Asteroiden, Kometen, Meteoriten (und damit verbundene Klimaänderungen)
2) Über längere Zeiträume verstärkte vulkanische Aktivität (und damit verbundene Klimaänderungen)
3) Klimaschwankungen mit anderer Ursache
4) Stratifizierter Ozean: CO2-reiche Wässer auf dem Schelf
5) Sauerstoffarme Ozeanwässer (Anoxia), die auf den Schelf transgredieren
6) Regressionen (Einschränkungen der Lebensräume für Wirbellose durch schmalere Schelfe)

Keiner dieser möglichen Gründe ist für irgendeines der Massenaussterben alleine verantwortlich, auch gibt es keine für alle Massenaussterbe-Events gemeinsame Erklärung bzw. gemeinsame Verkettung von Faktoren. Jedes war anders (siehe Diskussionen dort).