Massenaussterbe-Events im
Phanerozoikum
Seit es auf der Erde Organismen
in einer gewissen Artenzahl (Diverstität) gibt, sind diese immer wieder
von Phasen erhöhter Aussterberaten dezimitert worden. Alle Tier- und Pflanzenarten
sterben nach einer mehr oder weniger langen (im geologischen Zeitmaßstab
eher kurzen) Zeit aus, aber in diesen Phasen des Massenaussterbens (auch Massenaussterbe-"Events"
genannt) verstärkte sich das normale Aussterbe-"Hintergrundrausch"
um eine Vielfaches.
Im Proterozoikum gab es noch keine genügend
große Diversität der Organismen, um Zeiten des Massenaussterbens
erkennen zu können. Allenfalls ist ein mit der neoproterozoischen
Eiszeit ("Schneeball Erde") zeitgleicher (und wohl dadurch bedingter)
starker Artenrückgang bei den Acritarchen (einzellige Algen mit Sporopolleninhülle)
in den jungpräkambrischen Meeren so zu bezeichnen.
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Die fünf größten
Massenaussterbe - Events im Phanerozoikum: |
Die wirklich großen Massenaussterbe-Phasen,
z.T. erhebliche Einschnitte in die Faunen-Diversität (nicht so in die Floren-Diversität!)
fanden jedoch im Phanerozoikum statt. Neben einer
ganzen Reihe von weniger bedeutenden Phasen
verstärkten Massenaussterbens sind es vor allem fünf Zeitscheiben,
in denen innerhalb weniger Millionen Jahre (oder sogar nur einer halben Millionen
Jahre) bis zu 95 % aller marinen Tierarten ausstarben. Diese als "die großen
fünf" bekannten Events sind:
Das
Massenaussterben im Oberordovizium
Das Massenaussterben im Oberordevon ("Kellwasser-Event")
Das Massenaussterben an der Perm/Trias-Grenze
Das Massenaussterben an der Trias/Jura-Grenze
Das Massenaussterben an der Kreide/Paläogen-Grenze
("KT-Event")
Ein Problem bei der quantitativen Analyse der Aussterberaten ist natürlich immer die Tatsache, dass ja in der fossilen Überlieferung diejenigen Gruppen stark überrepräsentiert sind, die mineralisierte Hartteile haben und somit wesentlich besser erhaltungsfähig sind als z.B. "Würmer" ohne jegliche Skelette, Schalen etc. Trotzdem gibt es genügend Fossildokumentation (als Abdrücke oder Spurenfossilien z.B.), um auch bei solchen Gruppen die Überlebensraten im Zuge bedeutenderer Massenaussterbe-Events abschätzen zu können. Hier ist eine Einschätzung der Aussterberaten aller mariner Invertebratengruppen bei den "großen Fünf" (nach Jablonski 1994):
| Zeit |
Familien |
% | Gattungen | % |
| beob. | gesch. | beob. | gesch. | |
| Oberordovizium | 26 | 84 | 60 | 85 |
| Oberdevon | 22 | 79 | 57 | 83 |
| Perm/Trias | 51 | 95 | 82 | 95 |
| Trias/Jura | 22 | 79 | 53 | 80 |
| Kreide/Paläogen (KT) | 16 | 70 | 47 | 76 |
Hieraus ist deutlich ersichtlich, dass das Ereignis an der Perm/Trias-Grenze, welches gleichzeitig die Grenze zwischen Paläozoikum und Mesozoikum definiert, das mit Abstand bedeutendste war. Das KT-Event hingegen (Kreide/Paläogen-Grenze) ist zwar aufgrund des damit verbundenen spektakulären Aussterbens der Dinosaurier und des Aufpralls eines großen Asteroiden auf der Erde das bekannteste, aber auf die marine Invertebratenfauna bezogen (und damit für das System Erde in all seinen komplizierten Stoffkreisläufen) das am wenigsten bedeutende Massenaussterbe-Event der "großen Fünf".
Die bisher hauptsächlich diskutierten
GRÜNDE FÜR MASSENAUSSTERBEN sind:
1)
Impakt von großen Himmelskörpern wie Asteroiden, Kometen, Meteoriten
(und damit verbundene Klimaänderungen)
2) Über längere Zeiträume verstärkte vulkanische Aktivität
(und damit verbundene Klimaänderungen)
3) Klimaschwankungen mit anderer Ursache
4) Stratifizierter Ozean: CO2-reiche Wässer auf dem Schelf
5) Sauerstoffarme Ozeanwässer (Anoxia), die auf den Schelf transgredieren
6) Regressionen (Einschränkungen der Lebensräume für Wirbellose
durch schmalere Schelfe)
Keiner dieser möglichen Gründe ist für irgendeines der Massenaussterben alleine verantwortlich, auch gibt es keine für alle Massenaussterbe-Events gemeinsame Erklärung bzw. gemeinsame Verkettung von Faktoren. Jedes war anders (siehe Diskussionen dort).