Die "moderne Fauna"

Die Vertreter der "modernen Fauna" waren die Gewinner der Perm/Trias-Krise. Auch sie waren mit ihren ersten Vertretern bereits im Kambrium entstanden, jedoch während des gesamten Paläozoikums nur von untergeordneter (aber ständig steigender) Bedetung. Es sind v.a. Muscheln und Schnecken, Knochenfische, Krebse und Seeigel. Dominiert wurden und werden sie von schwimmenden Räubern (also im Gegensatz zu den langsamen Räubern der "paläozoischen Fauna" schnelle Räuber) und grabenden, also vagilen (ebenfalls im Gegensatz zur "paläozoischen Fauna") Suspensions- und Sedimentfressern (Mollusken, Seeigel, Krebse) sowie von vielseitigen Opportunisten wie Crustaceen und Gastropoden. Die ökologische Komplexität stieg enorm an, bis zu ihrem heutigen Level.

Die "moderne Fauna" und ihre Diversitätsentwicklung im Phanerozoikum. Dargestellt ist die Anzahl der Familien mariner Invertebraten.

Datenbasis nach Sepkoski (1981).

Obwohl die Unterschiede zwischen typisch "paläozoischer" und typisch "moderner" Fauna nicht ganz so scharf sind, wie der bisherige Fossilbericht dies weismachen möchte, ist er trotzdem sehr evident.

Warum hat sich nach der Perm/Trias-Grenze die "paläozoische" Fauna nicht wieder durchgesetzt? Sicher gibt es mehrere zusammenspielende Faktoren:

Die Entwicklung leistungsfähigerer Räuber scheint einer der Gründe hierfür zu sein. Bei den Schnecken z.B. ist das ganz besonders evident, ebenso bei Krebsen und bei modernen Fischen. Zum Teil geschah dies aber nach bisheriger Fossilüberlieferung etwas später (bei Schnecken z.B. ab der mittleren Kreide). Die sessilen ("paläozoischen") Nahrungsfilterer, fixiert am Meeresboden, scheinen zu angreifbar gewesen zu sein. Die neu entwickelten vergraben lebenden Filter-Feeder (Muscheln etc.) waren besser geschützt, ergo erfolgreicher.
Ein weiterer Grund: Die Entwicklung leistungsfähigerer Kiemen bei Muscheln bewirkte die Möglichkeit, sich tiefer einzugraben, ein effektiver Schutz gegen Räuber, auch gegen Austrockenen und Erosion.
Die Bulldozer-Hypothese: Bei der "modernen Fauna" gibt es viele intensiv grabende Tiere (Muscheln, Krebse, Würmer, Echiniden usw.), so dass die Larven "paläozoischer" Strudler schwer Fuß fassen konnten, Adulte "mitverarbeitet" werden und überhaupt aufgewühlte Schlammmassen ihnen die Kiemen verkleben. Alles zusammengenommen sind auch deshalb mobile Nahrungsfilterer (eine Gilde der "modernen Fauna") konkurrenzfähiger als sessile Nahrungsfilterer (eine Gilde der "paläozoischen Fauna").

Die "moderne Fauna" wurde während ihrer post-paläozoischen Entwicklung mehrfach durch einschneidende Massenaussterbe-Ereignisse kurzfristig in ihrer Diversität zurückgedrängt (an der Trias/Jura- und an der Kreide/Paläogen-Grenze
). Der Veränderung in den Gesamtfaunen der marinen Invertebraten war an der Kreide/Paläogen-Grenze deshalb besonders evident, weil einige Gruppen eher paläozoischen Gepräges zusätzlich zu den Einschnitte bei den "modernen Faunen" vollständig ausstarben (z.B. die Ammonoideen). Die anschließend ab dem Paläogen dominierenden Invertebraten waren zunehmend den heutigen Faunen so ähnlich, dass für diese Zeit der Begriff "Känozoikum" geprägt wurde.