Das Neogen stellt den
heute zum eigenständigen System erhobenen Zeitabschnitt des ehemaligen
"Jungtertiärs" dar (siehe eingehendere Erläuterungen unter
Paläogen) und wird in die beiden Serien Miozän
und Pliozän gegliedert. Es bestehen Bestrebungen (von manchen Wissenschaftlern
auch so schon angewandt), im Quartär nur noch
eine dritte Serie des Neogens zu sehen und nicht mehr ein eigenes System. Dies
würde insofern Sinn machen, als das Quartär
(mit einer Dauer von nur 1,75 Ma) ja im Grunde nur den bisherigen Höhepunkt
einer im Neogen langfristig ablaufenden Klimaabkühlung darstellt.
Die Gliederung des Miozän und Pliozän in Stufen ist noch heute sehr
inhomogen, vielerorts werden die international gültigen Stufen durch lokale,
nicht zeitgleiche Einheiten ersetzt.
Leitfossilien im marinen Bereich sind vor allem
planktonische Foraminiferen, Dinoflagellaten und kalkiges Nannoplankton, daneben
benthonische Foraminiferen, Radiolarien, Ostracoden, Muscheln und Gastropoden,
im nichtmarinen Bereich Landpflanzen, Sporen und Pollen, Ostracoden, Charophyten,
Gastropoden, Otolithen (Ohrsteine von Fischen) und Säugetierreste.
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Einteilung des Neogen in die beiden Serien Miozän und Pliozän (mit absoluten Datierungen) und die weitere Untergliederung in neun Stufen (nach der International Stratigraphic Chart der IUGS, 2000). |
Plattentektonische Entwicklung:
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Plattentektonische
Situtation der Erde vor ca. 10 Ma (spätes Miozän), vereinfacht,
umgezeichnet und ergänzt nach R. Blakey (Univ. of Arizona), website
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Der ehemalige Pangäa-Superkontinent
war zerfallen, im Prinzip lief bereits ein neuer
Superkontinentzyklus in seiner Frühphase.
Nordamerika und Nordeuropa waren nun auch im nördlichen Nordatlantik voneinander
getrennt, es kam zum Südwärtsströmen kalten arktischen Tiefenwassers
ab dem Miozän.
Der Isthmus von Panama wurde im Pliozän vor ca. 3,5 Ma geschlossen, was
zur Etablierung des heutigen Klimasystems und der nordhemisphärischen
Eiszeit führte (s.u.). Damit war die einstige westwärtsgerichtete
zirkumäquatoriale Strömung endgültig unterbrochen. Nun konnte
auch ein Austausch der Landfaunen zwischen Nord- und Südamerika erfolgen.
Die weitere Annäherung von Afrikanischer und Eurasiatischer Platte bedingte
ein Andauern der alpidischen Gebirgsbildung und der
tektonischen Aktivitäten im heutigen Mittelmeerraum. Die Kollision von
Indien mit Asien erreichte mit der Auffaltung des Himalaya im Miozän ihren
Höhepunkt. Der indische Kontinent bohrte sich in die Asiatische Platte.
Die Antarktis war isoliert und wurde
von einer kalten Strömung umflossen.
Zu Beginn des Neogens erfolgte eine
Transgression, dann eine weltweiter
Meeresspiegelrückgang bis ins
Quartär. Die jungkänozoische Icehouse-Ära
ist geprägt durch zunehmend kühlere und trockenere Klimaten auf beiden
Halbkugeln, mit Höhepunkten der jüngsten Eiszeit im Quartär.
Generell nahmen die globalen Durchschnittstemperaturen
langfristig ab, mit besonders starken zyklischen Schwankungen im Pleistozän.
Auch die Sauerstoff- und CO2-Gehalte in der
Atmosphäre nahmen langfristig bis etwa zum heutigen (vorindustriellen)
Niveau ab.
Nach kurzer Erwärmung im Untermiozän
kam es zu einer weiteren Abkühlung im Mittelmiozän, der antarktische
Eisschild war vorhanden. Verbunden war dieser Klimawandel mit weltweit steigenden
Temperaturgradienten, die Abkühlung war zuerst stärker auf der Südhalbkugel,
erst viel später auf der Nordhalbkugel (s.u.). Weltweit kühlere und
trockenere Klimate bedingten auch die zunehmende Evolution und Ausbreitung der
Gräser, Entstehung von Steppen und Savannen (s.u.).
Das Absinken des Island-Faröer-Rückens im Miozän bewirkte die
beginnende Entstehung des heutigen weltumspannenden thermohalinen Zirkulationssystems
(warme Oberflächen- und kalte Tiefenwässer). Durch das Schließen
des Panamaseeweges (nach neuesten Daten kritischer Schwellwert bei 4,6 Ma)
kam es schließlich zu seiner endgültigen Etablierung in seiner heutigen
Form mit Entstehung warmer salzreicher Wassermassen in der Karibik, die dann
mit dem Golfstrom (besser: Nordatlantikstrom) in den Nordatlantik fließen
und Feuchtigkeit in die Nordhemisphäre bringen (Beginn der aktuellen
Eiszeit auf der Nordhemisphäre).
Das Schwanken der Sonneneinstrahlung aufgrund überlagerter zyklisch schwankender
orbitaler Parameter (Lage der Erdachse 23 ka, Schiefe der Erdachse 40 ka, Exztrenzitität
der Erdumlaufbahn 100 ka) bewirkte besonders im Quartär
(letzte 1,75 Ma) Aufbau und Abschmelzen großer nordhemisphärischer
Eisschilde. Nach dem Erreichen des Schwellwertes bei 4,6 Ma (Schließung
des Panamaseeweges, s.o.) waren die Bedingungen zum Aufbau der ersten großen
Eisschilde auch im Norden im Zusammenhang mit den orbitalen Parametern vor ca.
3 Ma erreicht. Zu diesem Zeitpunkt begann die eigentliche Nord-Eiszeit.
Europa und Nordamerika:
In Mitteleuropa kam es im Zuge der generellen Regressionstendenz
des Neogens zum allmählichen Rückzug der Nordsee und zur Trennung
zwischen Nordsee und Mittelmeergebiet. In den immer stärker verlandenden
Senkungszonen am Niederrhein, südlich Berlins und in Polen entstanden ausgedehnte
Braunkohlelagerstätten, mit zeitlichem Schwerpunkt im Miozän. Im Pliozän
lag die Nordsee fast nur noch auf ihrer heutigen Position.
Die vulkanische Aktivität (bevorzugt basisch) verstärkte sich, mit
Höhepunkt im Miozän. Schwerpunkte waren Eifel, Westerwald, Vogelsberg,
Rhön, Hegau und Kaiserstuhl. In der Eifel und im Raum Bonn dauerte der
Vulkanismus bis in das Quartär an (Laacher
See, Rodderberg).
Im Miozän traf ein großer Doppelmeteor Süddeutschland (Steinheimer
Becken, Ries), ohne jedoch größere Auswirkungen auf die Evolution
der Organismen zu haben.
Die Absenkung des Oberrheintalgrabens und damit verbundene Bildung mächtiger
mariner Sedimente darin ließ nach, stattdessen intensivierte sich die
nach der Hebung der Alpen bereits im Oligozän
begonnene Vorschüttung der bayerischen Molasse. In dieser dokumentierte
sich der mehrfache Wechsel zwischen mariner und nichtmariner Entwicklung (Untere
und obere Meeres- und Süßwasser-Molassen).
Die Paratethys zog sich nach ihrer weitesten Ausdehung
im Oligozän im Laufe des Miozäns nach
Osten zurück. Dort im Osten bleibt die Paratethys am längsten marin.
Im Miozän wurden die Alpen weiter eingeengt,
Bruchtektonik bekam eine höhere Bedeutung. Erst im Zuge dieser Vorgänge
kam es Heraushebung als Hochgebirge.
Im obersten Miozän fand weltweit ein dramatischer Meeresspiegelrückgang
statt, der das sonst über die Straße von Gibraltar mit Frischwasser
versorgte Mittelmeer vom Atlantik isoliert (Salinitätskrise des "Messinian
Event" mit mächtigen Salzablagerungen).
(Hier geht es zu einer Animation der Paratethys- und
Mittelmeer-Entwicklung)
Die Pflanzenwelt:
Im Neogen fand die die phytische Ära des
Känophytikums (Dominanz der Angiospermen)
ihre Fortsetzung. Da die Klimate den heutigen immer ähnlicher wurden, gilt
dies auch für die Florenbilder. Schon Rekonstruktionen von Floren aus dem
Pliozän (z.B. Fundstelle Willershausen) sehen aus wie Bilder von heute.
Die Tierwelt:
Im marinen
Bereich ging die Radiation der typisch känozoischen
Invertebratenfauna weiter. Generell wurden diese Faunen, wie im Paläogen,
der heutigen immer ähnlicher, ein früher auch biostratigraphisch eingesetztes
Phänomen
Die Gastropoden blieben in
Salz-, Brack- und Süßwasserbereichen eine der wichtigsten und diversesten
Invertebratengruppen, auch als Leitfossilien und in gesteinsbildenden Massenvorkommen.
Die Säugetiere entwickelten sich weiter,
besonders intensiv in Anpassung an die sich ausbreitenden Steppen und Grasländer.
Die Pferde scheinen eine Co-Evolution
mit dieser Entwicklung durchgemacht zu haben und zeigen eine wechselhafte Geschichte
ihrer Wanderungswege zwischen den Kontinenten. Auch andere Gruppen wie Carnivoren
und Nagetiere passten sich an die trockeneren Klimate an. Bei den großen
Pflanzenfressern wurden die Unpaarhufer immer mehr von den Paarhufern (Rinder,
Antilopen usw.) verdrängt. Bei den Carnivoren kamen Hyänen und Bären
hinzu.
Besonders bedeutsam war zweifellos die Entwicklung bei den Primaten.
Gemeinsame Vorfahren der Menschenaffen und der Menschen datieren auf das frühe
Miozän zurück. Erste Formen, die schon zu den Menschen gezählt
werden müssen, waren die Australopithecinen des Pliozäns, für
die schon aufrechter Gang nachgewiesen wurde. Die Gattung Homo erschien
vor ca. 2 Ma nahe der Basis des Quartärs (H. habilis).