Der Begriff stammt von
den Ordovizern, einem Keltenstamm aus Wales (Lapworth 1879). Die Gliederung
in Unter-, Mittel- und Oberordovizium ist international gültig, die sechs
im eruopäischen Raum etablierten Stufen mit Namen aus dem walisischen Sprachraum
haben nur lokalen Rang.
Leitfossilien im marinen Bereich sind hauptsächlich
Graptolithen, dazu Trilobiten, Brachiopoden, Nautiloideen, Ostracoden und Conodonten.
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Einteilung des Ordoviziums in die Serien Unter-, Mittel- und Oberordovizium (mit absoluten Datierungen nach der International Stratigraphic Chart der IUGS, 2000). Obwohl die Untergliederung in Stufen international noch nicht gültig geregelt ist, werden hier die im europäischen Raum etablierten Stufennamen aufgeführt. |
Plattentektonische
Entwicklung:
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Plattentektonische
Situtation der Erde vor ca. 450 Ma (Oberordovizium), vereinfacht,
umgezeichnet und ergänzt nach R. Blakey (Univ. of Arizona),
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Geotektonisch war
das Ordovizium eine eher ruhige Phase zwischen dem Ende des Rodinia-Superkontinentzyklus
und dem Beginn des Pangäa-Superkontinentzyklus.
Allerdings begannen schon die ersten Kleinststücke der späteren
Pangäa sich zusammenzufinden.
Nordafrika lag im Bereich des Südpols, was die hier im Oberordovizium
verbreitete Vereisung ("Sahara-Eiszeit")
mit erklären hilft (siehe auch unter "Polwanderung").
Baltica (Fennosarmatia) driftete nach Norden näher an den Äquator
heran, dadurch bedingt kam es zu zunehmend wärmeren Klimaten auf diesem
Kraton (im Gegensatz zum globalen
Trend).
Zwischen Baltica und Laurentia lag der Iapetus-Ozean, nach Süden zwischen
diesen beiden Kontinenten und Gondwana der Rhea-Ozean (variszischer Ozean).
Auch vom Nordrand Gondwanas abgespaltene "perigondwanische Terranes"
(West- und Ost-Avalonia, heute Neuschottland, Neufundland, Mittelengland,
Teile der Benelux-Länder, Teile der Varisziden
usw.) wanderten im Ordovizium nach Norden.
Der Iapetus-Ozean begann sich langsam zu schließen (Subduktionszonen
an beiden Seiten) und wurde immer schmaler. Die ozeanische Kruste wurde
zunehmend subduziert.
Sibiria kollidierte bereits im Oberordovizium mit Laurentia, hier wie auch
im nördlichen Skandinavien begann die kaledonische
Orogenese. Am Südrand Nordamerikas (Laurentia) bildete der Taconische
Inselbogen nach erfolgter Kollision das Taconische Orogen.
Im Ordovizium setzte
sich der weltweite Meeresspiegelanstieg,
nach Regression zu Beginn, weiter fort. Manche Autoren sehen im Oberordovizium
die Zeit weltweit höchsten Meeresspiegels im gesamten Phanerozoikum.
Am Ende steht eine Regression, bedingt durch südpolare kontinentale Vereisung
("Sahara-Eiszeit"),
eine der drei großen phanerozoischen
Vereisungen. Im Ganzen gesehen fällt das Ordovizium aber in eine
ausgeprägte Greenhouse-Ära,
bedingt durch eine noch recht intensive CO2-Entgasung
bei der Produktion ozeanischer Kruste, wobei die Temperaturen
gegenüber dem Kambrium später im Ordovizium allerdings auf heutiges
Niveau absanken.
Der Sauerstoffgehalt
der Atmosphäre lag ungefähr in der gleichen Größenordnung
wie heute, der CO2-Gehalt
sank gegenüber dem Kambrium, lag aber noch etwa beim 15fachen des heutigen
Wertes.
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Die oberordovizische
Vereisung ("Sahara-Eiszeit")
mit Tilliten (Moränenablagerungen) und Gletscherschrammen ist
in der heutigen Sahara am besten dokumentiert, aber auch mit glazigenen
Sedimenten in einigen Bereichen des heutigen Mitteleuropa (Thüringer
Lederschiefer, auf peridgondwanischen Terranes). |
Europa und Nordamerika:
Im Bereich des schmaler
werdenden Iapetus-Ozean bildeten sich im Gebiet der Britischen Inseln sehr
mächtige Sedimentfolgen mit deutlicher Trennung von küstennahen
und küstenfernen Sedimenten. Im offenmarinen Bereich überwiegen
Graptolithenschiefer. Ausgedehnte Vulkanitfolgen entstammen der Bildung eines
vulkanischen Inselbogens (Nordrand Avalonias).
Die kaledonische
Gebirgsbildung verstärkte sich im Nordgebiet (Grönland, Norwegen,
8.3), die taconische Orogenese in den Appalachen.
Am Südrand von Baltica fand eine maximale Überflutung der flachen
Schelfe statt, unter Bildung ausgedehnter Karbonatfolgen. Diese überwiegen
landwärts, während nach Süden (extern) Graptolithenschiefer
vorherrschen. Orthocerenkalke sind häufig in großer Mächtigkeit
verbreitet.
In Mitteleuropa südlich des Törnquist-Ozeans und nördlich der
Allemanisch-Böhmischen Schwelle (perigondwanisches Terrane) überwiegen
terrigene Sedimente, oft schon in Flachwasserfazies mit Quarziten und Fe-Oolithen,
die den überwiegend schiefrigen Gesteinen zwischengelagert sind. In Böhmen
ist das Ordovizium durch trilobitenreiche Schichten berühmt (Barrandium).
Zwischen Mittel- und Norddeutschland zeichnete sich allmählich die Mitteldeutsche
Kristallinschwelle heraus.
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Die ordovizischen
Griffelschiefer des thüringischen Raumes zeichnen sich durch
zwei in stumpfem Winkel zueinander stehende Schieferungen aus. Dadurch
brechen die Gesteine nach Entlastung gern in solchen länglichen
Stengeln. Aus diesen wurden bis zum Jahr 1968 Griffel gedreht. Die
Griffelherstellung stellte früher in Thüringen einen wichtigen
Industriezweig dar, auch für den Export. |
Die Pflanzenwelt:
Im Ordovizium findet die phytische Ära
des Proterophytikums zunächst ihre
Fortsetzung. In den Flachmeeren gab es wie im Kambrium
eine reiche Lebewelt verschiedenster vielzelliger Algen mit Zelldifferenzierung
("Thallophyten") wie Rotalgen, Grünalgen (Dasycladaceen, Codiaceen),
Braunalgen usw.
Im Oberordovizium
der Sahara fanden sich erste Reste möglicher Landpflanzen, allerdings
ausschließlich Sporentetraden und Cuticulen unsicherer systematischer
Zugehörigkeit. Von den meisten Paläobotanikern werden sie nicht
als gesicherte Reste von Gefäßpflanzen anerkannt, sondern z.B.
zu den Lebermoosen gestellt.
Wenn es sich hierbei wirklich um Landpflanzen handelt, wäre das der Beginn
der phytischen
Ära des Paläophytikums
(Dominanz der Sporenpflanzen).
Die Tierwelt:
Auch im Ordovizium
gab es auf den Kontinenten noch keine Tiere,
allerhöchstens sehr primitive Arthropoden (bisher keine direkten Nachweise).
Im marinen Bereich
fand nach der Experimentierphase des Kambrium die ordovizische Radiation der
marinen
Invertebraten statt, d.h. es entwickelten sich fast all die dann später
bis zum Ende des Perm typischen paläozoischen Faunengruppen ("paläozoische
Fauna").
Am Ende des Ordoviziums steht eines der fünf größten Massenaussterben
des Phanerozoikums, parellel zur oberordovizischen
Vereisung. Betroffen waren vor allem benthonische Flachwassergruppen wie
die Trilobiten und Brachiopoden.
Graptolithen waren die Orthostratigraphen (Hauptleitfossilien). Es entwickelte
sich im ältesten Ordovizium eine Fülle neuer Baupläne. Der
entscheidende Fortschritt war der Übergang vom sessilen zum planktischen
oder pseudoplanktischen Leben, wodurch die Graptolithen einen völlig
neuen Lebensraum, die offenen Ozeane, gewannen, in denen sich eine explosive
Entfaltung vollzog. Der Übergang zu den eigentlichen Graptoloidea (mit
monomorphen Theken) fand im Arenig statt, als die größte Formenfülle
der Graptolithen herrschte (Hauptradiation). Ab dem Llandeilo nahm die Gattungszahl,
nicht aber die Häufigkeit wieder deutlich ab. Zu Anfang des Ordoviziums
herrschten noch büschelige und mehrästige, danach zweiästige
und später einästige Kolonien mit beidseitigen Thecen (Wohnröhren
der Einzelindividuen) vor. Möglich ist eine sehr genaue Biostratigraphie,
jedoch fast nur in sogenannten "Schwarzschiefern" (Sedimenten aus
Faulschlamm am Grunde sauerstoffarmer Bodenwässer), in denen die Skleroprotein-Hüllen
erhaltungsfähig sind.
Die Trilobiten, obwohl noch sehr formenreich, waren als typische Vertreter
der "kambrischen
Fauna" in langsamem Rückgang begriffen (sinkende Diversität
im Verlaufe des Ordovizium). Sie sind nur noch Parastratigraphen im küstennahen
Bereich und durchlitten ein sehr starkes Aussterben im Oberordovizium (oberordovizisches
Massensterben).
Die artikulaten Brachiopoden erlebten eine bedeutende Radiation im unteren
Ordovizium. Orthiden, Pentameriden und Strophomeniden dominierten in vielen
Gattungen und sind gute Parastratigraphen im küstennahen Bereich. Auch
sie erlitten aber ein sehr starkes Aussterben im Oberordovizium.
Die Korallen durchliefen eine erste Radiation in beiden paläozoischen
Gruppen (Rugosa und Tabulata). Besonders die Tabulata waren schon formenreich.
Die ältesten Muscheln sind ordovizisch. Schon im Unterordovizium erfolgte
die Trennung in die primitiven und seitdem kaum wesentlich weiter entwickelten
Palaeotaxodonta und in die Actinodonta, die Stammgruppe der übrigen Muscheln
(in Kiemenausbildung und weiterer Weichkörperanatomie wesentlich fortschrittlicher).
Dies ermöglichte die Besiedlung neuer Biotope und eine Vervielfachung
der Artenzahl. Auch die Archaeogastropoda
als primitivste Gruppe der Schnecken existierten spätestens seit dem
Ordovizium, ebenso die ähnlich primitiven Neritimorpha. Generell spielten
Muscheln und Schnecken (im Vergleich zu den Brachiopoden) aber im Ordovizium
noch keine große Rolle.
Es kam zu einem Höhepunkt
der Diversitätsentwicklung bei den Nautiloideen mit einem Maximum im
Mittelordovizium. Als erste Echinodermengruppen radiierten die Cystoideen
und die Crinoiden sehr stark. Besonders die Cystoideen waren für die
ordovizischen Flachmeerkarbonate typisch. Auch der älteste Nachweis von
(noch seltenen) Seeigeln stammt aus dem mittleren Ordovizium. Ihre Ursprungsgruppe
waren frühe Edrioasteroideen oder Ophiuroideen.
Bei den Wirbeltieren
kam es zu einer geringen Differenzierung der kieferlosen Fische
(Agnathen). Diese lebten noch ausschließlich im marinen Bereich, wohl
überwiegend bodenbezogen.