Mit dem Paläogen
begann das Känozoikum, die Ära mit moderner Tierwelt nicht nur in
den Meeren, sondern auch auf den Kontinenten. Früher (und z.T. bis heute
noch in vielen Lehrbüchern) wurden die letzten 65 Ma der Erdgeschichte
in die Systeme Tertiär und Quartär unterteilt.
Da diese klassische Unterteilung zu ungleichgewichtig (ca. 63 Ma für das
Tertiär und nur ca. 2 Ma für das Quartär) und außerdem
"europozentrisch" ist (Beginn der letzten Kaltzeit an der Basis des
Quartärs in Europa, die Vereisung der Antarktis begann aber bereits im
Oligozän), setzte sich die sinnvollere Untergliederung in Paläogen
(Alt"tertiär") und Neogen (Jung"tertiär")
mehr und mehr durch. Heute haben diese beiden Zeiteinheiten den formalen Rang
von Systemen (wie Jura, Kreide
etc.).
Das Paläogen wird in die
drei Serien Paleozän, Eozän und Oligozän eingeteilt. Die Gliederung
in Stufen ist noch heute sehr inhomogen, vielerorts werden die international
gültigen Stufen (siehe Abbildung unten) durch lokale, nicht zeitgleiche
Einheiten ersetzt.
Leitfossilien im marinen Bereich sind planktonische
Foraminiferen, Dinoflagellaten und kalkiges Nannoplankton, daneben benthonische
Foraminiferen, Radiolarien, Ostracoden, Pelecypoden und Gastropoden, im nichtmarinen
Bereich Landpflanzen, Sporen und Pollen, Ostracoden, Charophyten, Gastropoden,
Otolithen (Ohrsteine von Fischen) sowie Säugetierreste.
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Einteilung des Paläogen in die drei Serien Paleozän, Eozän und Oligozän (mit absoluten Datierungen) und die weitere Untergliederung in neun Stufen (nach der International Stratigraphic Chart der IUGS, 2000). |
Plattentektonische Entwicklung:
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Plattentektonische
Situtation der Erde vor ca. 40 Ma (mittleres Eozän), vereinfacht,
umgezeichnet und ergänzt nach R. Blakey (Univ. of Arizona),
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Pangäa-Superkontinentzyklus:
Der ehemalige Superkontinent zerfiel endgültig, im Prinzip setzte bereits
ein neuer Superkontinentzyklus ein.
Nordamerika und Eurasien hingen anfangs über Skandinavien und Grönland
noch eng beisammen, erst mit dem Oligozän kam es auch hier zu einer schnelleren
Öffnung des nördlichen Nordatlantik. Diese Öffnung hatte schon
im Paleozän mit ausgedehnten Plateaubasalten begonnen, das Spreading setzte
im Eozän ein. Hier entstand über einem Hotspot der bis zum Ende des
Paläogens die kalten arktischen von den wärmeren atlantischen Wassermassen
trennende Island-Färöer-Rücken.
Der zirkumäquatoriale Seeweg wurde durch die Schließung der Tethys
am Ende des Eozäns unterbrochen. Diese war bedingt durch die weitere Annäherung
von Afrikanischer und Eurasischer Platte, welche zu den Höhepunkten der
alpidischen Orogenese führt.
Indien driftete weiter nordwärts und begann im Eozän mit Asien zu
kollidieren.
Weiteres Nordwärtsdriften von Australien an der Eozän/Oligozän-Grenze
sowie die Öffnung der Drake-Passage
zwischen Antarktis und Südamerika im höheren Oligozän bewirkten
die Entwicklung einer zirkumantarktischen Kaltwasserströmung mit erheblichen
Auswirkungen für das globale Ozean-Strömungssystem und das Weltklima.
Im Paläogen lag der weltweite
Meeresspiegel noch wesentlich höher
als heute, jedoch niedriger als in der Oberkreide. Sehr starke Regressionen
(Aufbau des antarktischen Eisschildes) fanden an der Eozän/Oligozän-Wende
und im Oligozän statt.
Das Paläogen stellt den Übergang von der mesozoischen Greenhouse-
zur jungkänozoischen Icehouse-Ära
dar. Anfangs gab es nur geringe Vereisungen auf der Nordhalbkugel, später
setzte die Vergletscherung der Antarktis massiv ein.
Im Paleozän herrschten kaum höhere Temperaturen
als heute, im Vergleich zur Kreide war es merklich
kühler geworden. Nach rapider Erwärmung (möglicherweise durch
katastrophale Freisetzung von Gashydraten) gab es dann ein Klimaoptimum
im Eozän mit hohen Temperaturen und geringem latitudinalem Gradienten,
danach eine deutliche Abnahme der globalen Durchschnittstemperaturen, auch im
Meer.
Langfristige nahmen während des Paläogen die Sauerstoff-
und CO2-Gehalte in der Atmosphäre ab. Die Abnahme der CO2-Gehalte korreliert
mit abnehmender plattentektonischer Aktivität an den mittelozeanischen
Rücken (abnehmende Produktionsrate ozeanischer
Kruste und vulkanische Entgasung).
Ein besonders dramatischer
Klimaeinbruch innerhalb von nur ca. 100 ka ist an der Wende Eozän / Oligozän
zu verzeichnen, mit Herausbildung der Psychrosphäre (kaltes Tiefenwasser).
Proxies (Näherungswerte) hierfür sind v.a. die stabilen Sauerstoffisotopen
in Kalkschalern.
Auslöser für die
Abkühlungen waren plattentektonische Vorgänge (Schließen der
Durchlässe für den weltumspannenden, warmen, äquatorialen Ringstrom,
Öffnen der Passagen für den kalten antarktischen Ringstrom, s.o).
Verstärkte Klimainstabilitäten führten ab dem obersten Eozän
zur beschleunigten Packeisbildung um die Antarktis, die endgültige
Etablierung des circumantarktischen Stroms mit dem Ende des Oligozäns
zum Aufbau des antarktischen Eisschildes.
Europa und Nordamerika:
Neuerliche Meeresvorstöße
nach der Regression am Ende der Kreide erfolgten jeweils im Paleozän und
Eozän. Hierdurch wurde eine gegenüber der heutigen Ausdehnung erweiterte
Nordsee (incl. Norddeutschland) überflutet. Verbindungen bestanden über
den Ärmelkanal mit dem Atlantik und über Polen zur Tethys (jeweils
Warmwasser) sowie über die Nordsee und die baltischen Länder zum borealen
Raum (Kaltwasser). Eine starke Klimaabkühlung ist auch hier an der Eozän/Oligozän-Grenze
dokumentiert.
Eine Verbindung zwischen Paratethys
und Nordseebecken über den Rheintalgraben bestand nur im Oligozän.
In diesem geologisch sehr alten Strukturelement (Hessische Senke) wurden äußerst
mächtige marine Sedimente abgelagert.
Während des eozänen Klimaoptimums
kam es weit verbreitet zur Bildung von Braunkohlen. Die Braunkohlen im Geiseltal
bei Halle sind ebenso ein berühmter Fossilfundpunkt wie das ehemalige Maar
mit den Ölschiefern von Messel. Eozänes Harz wurde in oligozäne
Sande der südlichen Ostsee umgelagert (Bernstein).
Fossilreiche Profile finden sich im Pariser Becken (eine der klassischen Stätten
der Biostratigraphie), u.a. die für Säugetiere berühmten "Gipse
von Montmartre". Vulkanische Aktivitäten im Zusammenhang mit der alpidischen
Orogenese nahmen im Eozän ihren (geringen) Anfang, entlang des Rheintalgrabens
und in der Eifel.
Die alpidische Orogenese erlebte ihre Höhepunkte
mit der illyrischen Phase im Obereozän und der pyrenäischen Phase
an der Wende Eozän / Oligozän. Die Vergenzen sind hauptsächlich
nach Norden gerichtet, die Subduktion wohl nach Süden (obwohl dies noch
strittig ist). Nach der Hauptorogenese war die Tethys in die Paratethys
(im Norden) und das Mittelmeer (im Süden) aufgespalten.
In der Paratethys nördlich der Alpen begann
im Oligozän die Sedimentation der bayerischen Molasse. Die Paratethys erstreckte
sich als Rest der Tethys unter wechselhaften salinaren Bedingungen ursprünglich
bis weit nach Osten. Schwarzes Meer, Kaspisches Meer und Aralsee sind heutige
Reste dieses Meeres. Ob die Paratethys noch weiter nach Osten reichte (bis zu
den Langzeitseen von Kasachstan oder gar bis zum Baikal), ist ungeklärt.
(Hier geht es zu einer Animation der Paratethys- und
Mittelmeer-Entwicklung)
Die Pflanzenwelt:
Im Paläogen fand die phytische Ära
des Känophytikums (Dominanz der Bedecktsamer
oder Angiospermen) ihre Fortsetzung. Die Gymnospermen spielten nur noch eine
Nebenrolle, entsprechend der heutigen geringen, manchmal aber standortbedingt
größeren Bedeutung. Einige Koniferengruppen (Sequoien und Taxodien)
passten sich an Feuchtstandorte an und bildeten große Anteile der paläogenen
Braunkohle-Sumpfwälder.
Beherrschend und sich weiter diversifizierend waren die Angiospermen. Zur Zeit
des eozänen Klimaoptimums wuchsen
in Mitteleuropa tropische und subtropische Wälder, Palmen waren bis nach
Grönland und Alaska verbreitet.
Zu Beginn des Oligozäns war die Hälfte aller heute noch existierenden
Angiospermen-Gattungen vorhanden. Rosen z.B. gab es schon seit dem Eozän.
Besonders wichtig war die Entwicklung der Gräser, die im Eozän und
tieferen Oligozän noch auf bewaldete und sumpfige Gebiete beschränkt
waren. Mit der Entwicklung des kontinuierlichen Wachstumsprozesses und der Windbestäubung
wurden ab dem Oberoligozän die offenen Länder erobert, Steppen und
Grasländer breiteten sich aus, größeren Massen von Pflanzenfressern
konnten durch Nachwachsen der Halme Nahrung finden. Diese Entwicklung korreliert
mit dem allmählichen Trockenerwerden des Klimas (Versteppung) und der Evolution
einiger Säugetiergruppen (z.B. Pferde).
Die Tierwelt:
Im marinen Bereich setzt nach dem KT-Massenaussterben
vieler wichtiger mesozoischer Elemente der "modernen
Fauna" die Radiation der typisch känozoischen Invertebratenfauna
ein. Generell wurden diese Faunen nun der heutigen immer ähnlicher, ein
früher auch biostratigraphisch (für die zeitliche Einstufung von Schichten)
eingesetztes Phänomen.
Kleinere Aussterbeereignisse, auch auf
den Kontinenten, fanden jeweils am Ende des Paleozäns und des Eozäns
statt. Erklärungen hierfür finden sich neben verstärkten vulkanischen
Rift-Aktivitäten auch im Bereich der Plattentektonik und damit verbundenen
ozeanographischen und klimatischen Änderungen.
Die Muscheln waren in ihrer Bedeutung gegenüber der Kreide wieder zurückgegangen,
aber dennoch hochdivers und kamen z.T. massenhaft in allen aquatischen Bereichen
vor. Wie bei den Gastropoden (s.u.) nahm der Anteil noch heute lebender Arten
kontinuierlich zu
Die Gastropoden entwickelten sich in Salz-, Brack- und Süßwasserbereichen
zur wichtigsten und diversesten Invertebratengruppe, enorm wichtig auch als
Leitfossilien. Der Anteil noch heute lebender Formen nahm kontinuierlich zu.
Im flachmarinen Bereich nahm im Verlaufe des Paläogen die Brachiopoden-Gruppe
der Terebratuliden an Diversität stark zu. In manchen Gesteinen sind sie
darüberhinaus auch massenhaft vertreten.
Bei den Seeigeln entwickelten sich sehr flache Formen ("Sanddollars"
u.a.) mit speziell angepaßten Lebensweisen und der Möglichkeit, auch
Flachwassersande zu besiedeln. Die Crinoiden (Seelilien) wanderten zum größten
Teil in die Tiefsee ab.
Die Wirbeltiere:
Die schnelle adaptive Radiation der Säugetiere
nach dem Aussterben der konkurrierenden Dinosaurier mit dem Ende
der Kreide, allerdings offenbar bereits in der obersten Kreide einsetzend,
war das Hauptereignis innerhalb dieser Gruppe. Zu Beginn des Paleozäns
waren die Säugetiere meist noch kleine Tiere (max. Hundegröße),
sie verzeichneten später jedoch ein rasches Größenwachstum in
vielen Gruppen. Im Untereozän existierten bereits die meisten modernen
Ordnungen der Mammalia.
Besonders im Eozän gab es eine ständig zunehmende Formenvielfalt und
eine Verdoppelung der Familienzahl, hierunter modernere Pflanzenfresser der
Unpaarhufer und der Paarhufer. Die bekannte Pferdereihe
nahm ihren Anfang, ebenfalls die der Rüsseltiere. Die Nagetiere verdrängen
die Multituberculaten, die in der Kreide die wichtigsten
Säugetiere gewesen waren.
Als Carnivoren kamen erste Hunde, Katzen und Wiesel vor. Ab dem Oligozän
gab es die ersten Affen.
Im Oligozän war ein enormes Größenwachstum zu verzeichnen, darunter
Riesenformen unter den Nashörnern (hier das größte landlebende
Säugetier der Erdgeschichte).