Mit dem Einsetzen plattentektonischer
Prozesse und Dimensionen, die den heute ablaufenden Vorgängen in etwa ähnlich
sind, vollzog sich vor etwa 2,5 Ga (Milliarden Jahren) der Übergang vom
Archaikum in das Proterozoikum. Wie schon der Name
angibt, gab es in dieser Zeit (diesem "Äon") noch kaum Tiere,
zumindest dachte man das früher, als der Name geprägt wurde (siehe
jedoch unten). Die Pflanzen hingegen entwickelten
sich in dieser Zeit bereits zu höher entwickelten Formen mit Zellkern,
Vielzelligkeit und makroskopischen Größen.
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Einteilung des Proterozoikums in die drei Ären Paläo-, Meso- und Neoproterozoikum und die diese wiederum untergliedernden Systeme Siderium bis Neoproterozoikum III (nach International Stratigraphic Chart der IUGS, 2000) |
Die weitere zeitliche Untergliederung des Proterozoikums in drei Ären und diese weiter untergliedernde Systeme, wie in obiger Tabelle dargestellt, beruht wie im Archaikum noch nicht auf der relativen Datierung durch Leitfossilien (Biostratigraphie), sondern vielmehr auf absoluten Altersdatierungen. Diese nur durch numerische Alter begrenzten Zeiteinheiten wurden aber im Gegensatz zum Archaikum nicht willkürlich gewählt, sondern repräsentieren vielmehr prinzipielle Zyklen von Sedimentation, Orogenesen und Magmatismus (International Stratigraphic Chart der IUGS, 2000). Nach Regionen, in denen die Folgen dieser geologischen Vorgänge besonders gut erschlossen sind, wurden auch die Namen für die System (siehe Abbildung) gewählt.
Leitfossilien und somit eine echte Biostratigraphie gibt es für das Proterozoikum kaum. Nur wenige Autoren versuchen biostratigraphische Gliederung mariner Ablagerungen mit Hilfe von Stromatolithen, Cyanobakterienfäden und Acritarchen.
Plattentektonische Entwicklung:
Im Neoproterozoikum
lief der Rodinia(auch Vendium)-Superkontinentzyklus
ab. Mit dem beginnenden Zerfall von Rodinia in zahlreiche Einzelkontinente ergaben
sich - nach einer Theorie - erhebliche klimatische Konsequenzen (neoproterozoische
Vereisung, Schneeball Erde).
Die plattentektonischen Voränge beruhten auf Prinzipien und Krustendicken,
die den heutigen Verhältnissen schon sehr ähnlich waren (siehe Plattentektonik
im Vergleich).
Mit Beginn des Proterozoikums dürften 50-70 % der heutigen kontinentalen
Kruste existiert haben. Generell nahmen die Krustendicken bis zum Neoproterozoikum
zu.
Über einen Großteil des Proterozoikums dauerte noch ein weiteres
Wachstum der großen Kontinentschilde durch seitliches Angliedern von orogenen
Gürteln (z.B. Baltischer Schild) oder Verschmelzen älterer Kerne (z.B.
Nordamerika) an.
Vor ca. 1 Ga etablierte sich ein großer Superkontinent
(Rodinia), der im Neoproterozoikum dann schon wieder auseinanderfiel. Die
Lage dieses Kontinentes, entweder bevorzugt in niederen oder in hohen südlichen
Breiten, ist umstritten und einer der Kernpunkte der Diskussionen um die "Schneeball
Erde" -Theorie.
Europa und Nordamerika:
Der Baltische Schild wuchs im Verlaufe des Proterozoikums durch mehrere Orogenesen
mit Altern von durchschnittlich 2 Ga, 1,8 Ga und 1 Ga nach Süden hin immer
stärker an. Bekannteste Gesteine aus dieser Zeit sind die Rapakivi-Granite
als postorogene Intrusionen der Svekokareliden (1,5-1,7 Ga). In den Sedimenten
der neoproterozoischen Svekonorwegiden sind Vereisungsspuren ("Schneeball
Erde") weit verbreitet.
Auch Nordamerika wuchs durch proterozoische Orogenesen zu der Größe,
in der es ab dem Kambrium als Kontinent Laurentia
plattentektonisch aktiv vor.
Auch in den Meeresbereichen außerhalb der präkambrischen Schilde
sind, im Vergleich zum Archaikum, zunehmend Sedimente
dokumentiert, die erst in z.T. wesentlich spätere Orogenesen mit einbezogen
wurden. In Deutschland befinden sich die mächtigsten aufgeschlossenen präkambrischen
Schichtfolgen im Thüringischen Schiefergebirge.
Die Pflanzenwelt:
Im Proterozoikum fand der Übergang von der phytischen
Ära des Archäophytikums (mit
dominierenden Cyanobakterien) in das Proterophytikum
(mit dominierenden eucaryoten Algen, also solchen mit Zellkern) vermutlich vor
ca. 2 Ga. Die Entstehung der Eucaryota geschah wohl durch Vereinigungung verschiedener
prokaryontischer Zellen (Endosymbionten-Theorie).
Bei diesem Zeitpunkt (2 Ga) ist ein Zusammenhang zwischen der starken Zunahme
der Sauerstoffproduktion (Great Oxidation event)
und der Entstehung der Eucaryota, welche eine vielfach höhere Energieausbeute
als Procaryota haben, offensichtlich. Erste - als solche noch fragliche - Einzeller
mit Zellkern (Eucaryota) sind bereits aus dem 2,2 Ga alten Gunflint Chert (Australien)
beschrieben worden.
Wichtigste Gruppe waren die Acritarchen (erste Nachweise ab 1,9 Ga) mit im Neoproterozoikum
stark zunehmender Diversität und einschneidendem Aussterbeereignis
kurz vor Beginn des Kambrium. Sichere Grünalgen (Prasinophyceen) sind seit
1,7 Ga bekannt. Im Neoproterozoikum fand auch schon eine rapide Entwicklung
von tangähnlichen Makroalgen in den Flachmeeren statt, berühmte Funde
kommen v.a. aus China.
Die Tierwelt:
Die Entwicklung erster (noch hartteilloser) vielzelliger Tiere
ist durch Spurenfossilien bei etwa 1 Ga nachgewiesen. Dies dürften wurmartige
Tiere gewesen sein. Seitdem dokumentiert eine ständige Diversifizierung
der Spurenfauna eine allmähliche Entwicklung der Metazoen (vielzellige
Tiere).
Etwa vor 650-600 Ma waren erste Makrofaunen mit erhaltenen Körpermerkmalen
(nicht nur Spuren) weltweit verbreitet: Die Ediacara-Fauna,
ausschließlich mit Abdrücken der Weichteile und noch ohne Hartteile.
Ihre systematische Zugehörigkeit ist umstritten, einige Formen mögen
zu den Coelenteraten, Anneliden oder Arthropoden gehört haben.
Im allerjüngsten Proterozoikum gelangen jüngst auch schon Erstnachweise
einiger heute noch existierender Tierstämme, besonders noch hartteiloser
Anneliden, auch von Schwämme. Hinzu kommen wenige sehr kleine hartschalige
Fossilien von röhrenförmiger Ausbildung, allerdings ebenfalls unsicherer
systematischer Stellung.
Bei vielen Gruppen fand im Zuge der neoproterozoischen Vereisungen ("Schneeball
Erde") ein Massenaussterben statt.
Nach einigen Autoren war die hiermit verbundene Klimainstabilität einer
der Gründe für die darauf folgende "Kambrische
Explosion" der Tierwelt.
Die evolutiven Abläufe auf dem Planeten Erde im Gesamtzusammenhang.