Paläoökologie: Autökologie (Teil 2)
Die Autoökologie beschäftigt
sich mit dem Studium der äußeren Faktoren und der Antwort der Organismen.
(hier zu Teil 1: Licht, Temperatur,
Zirkulation, Sauerstoff, Niederschläge)
Salinität (Salzgehalt):
Das Meerwasser der Gegenwart
enthält durchschnittlich 3,5 % gelöste Salze. In Meeren mit geringer
Verdunstung und hohen Niederschlägen (Arktis, Nordpazifik) sinkt der Salzgehalt
unter 3,3 % ab. Im ariden Klimagürtel steigt er auf über 3,7 % an
(Rotes Meer 40 %). Bei starken Zuflüssen aus Flüssen und Schmelzwasser
entsteht Brackwasser. Marine und brackische Wässer werden in poly-, meso-
und oligohaline Bereiche eingeteilt.
Tiere und Pflanzen sind in unterschiedlicher Weise an die Salinität angepasst.
Der Körper von Meerestieren und -pflanzen steht in den meisten Fällen
mit seiner Umgebung im osmotischen Gleichgewicht.
![]() |
Klassifikation der
Salinitätsstufen und vereinfachte Darstellung der Beziehungen zwischen
Artenvielfalt (Diversität) und Salinität. Brack- und Süßwasserfaunen
sind recht gering divers (wenig artenreich), während die Diversität
mariner Arten mit steigendem Salzgehalt steigt und bei normalmariner Salinität
(um die 35 Promille) ihr Maximum erreicht. |
Organismen,
die dazu befähigt sind, starke Schwankungen des Salzgehaltes zu tolerieren,
nennt man euryhalin. Stenohaline Organismen gehen zugrunde, sobald
die äußere Salinität stärker schwankt. Salinitätsschwankungen
wirken bei vielen Organismen nicht unmittelbar auf die Lebensfähigkeit,
sondern auf die Fortpflanzung. Senohaliner Tiere normaler Salinität sind
die Korallen, Cephalopoden, Brachiopoden, Radiolarien und (mit wenigen Ausnahmen)
Echinodermen. Süßwasserbewohner, die meist schon bei 0,1-0,2 % Salzgehalt
zugrunde gehen, sind z. B. die meisten Amphibien und manche Muscheln. Euryhaline
Organismen reichen einerseits vom normalen marinen Milieu bis ins Brackwasser
hinein (z. B. viele Muscheln und Schnecken.
Die Artenzahlen nehmen vom
marinen und vom limnischen Bereich her in Richtung auf ein Artenminsmum bei
einer Salinität von etwa 0,6-0,7 % ab (Brackwasser-Minimum, siehe Abb.
oben). Oft allerdings resultieren dort artenarme, aber individuenreiche Faunen.
Der Salzgehalt des Wassers beeinflusst auch die Schalendicke. Die Gehäuse
mariner Tiere sind durchschnittlich dicker und schwerer als die limnischer Organismen.
Ursache hierfür ist die erschwerte Abscheidung von Kalk im Süßwasser
und das niedrigere spezifische Gewicht des Süßwassers.
Nahrung: (siehe auch "Ernährung")
Die Primärproduktion organischer
Substanz durch Photosynthese ist die Lebensgrundlage sämtlicher Organismen.
Auf dem Land dominieren heute die Blütenpflanzen als Primärproduzenten,
im Wasser ist es das pflanzliche Plankton. An ihre Verbreitung und Häufigkeit
ist auch das tierische Leben gebunden.
![]() |
Der Kreislauf von Nährstoffen und organischem Material in den Ozeanen. Die farbigen Linien repräsentieren die Pfade der Nährstoffe, die schwarzen Linien diejenigen der organischen Substanz. (umgezeichnet nach Brenchley & Harper 1998) |
Von der pflanzlichen
Primärproduktion ernähren sich die Pflanzenfresser. Sie bilden die
Sekundärproduktion. Als Tertiärproduktion bezeichnet man die Tiere,
deren Nahrung die Pflanzenfresser oder andere Tiere darstellen. Die einzelnen
Organismen, die zueinander in einem Feind-Beute-Verhältnis stehen, bilden
eine Nahrungskette.
![]() |
Faunenveränderungen
in einem feinkörnigen Substrat beim Übergang vom
Fest- zum Weichboden an einem Beispiel aus dem englischen Jura.
Besiedlungstiefe und Artenvielfalt nehmen jeweils deutlich ab. Dargestellt
sind vor allem verschiedene Vertreter der Schnecken und der ab dem Jura
so wichtigen Muscheln, u.a. die ungleichklappige Gryphaea (grau)
und verschiedene grabende Myiden und Pinnen (braun). |
Substrat:
(siehe auch Abbildung zur Wattzonierung):
Das Substrat ist die Unterlage,
auf der die Organismen leben. Im Wasser ist die Festigkeit des Substrats der
wichtigste Faktor. Hartböden werden von verfestigten Gesteinen und auch
von anderen Organismen und deren Resten gebildet. Weichböden bilden sich
dort, wo anhaltende Sedimentation erfolgt oder die entstandenen Ablagerungen
noch nicht verfestigt sind. Die Mehrheit ihrer Fauna gehört zum Endobenthos
(Infauna). Man unterscheidet Sandbodenbewohner (Psammonten) und Schlickbodenbewohner.
Schlicke sind meist nährstoffreicher als Sande. Nährstoffangebot und
die Schwierigkeiten beim Graben erklären, weshalb Sandböden oft lebensärmer
sind als Schlicke.
![]() |
Sedimentkorngröße und Kommissurlinie bei Zweischalern. Eine stark gezackte Kommissur verhindert das Eindringen größerer Sandkörner trotz langer Öffnungslinie, also großer eingestrudelter Wassermenge. (umgezeichnet nach Brenchley & Harper 1998) |
Wassertiefe:
Die Wassertiefe allein ist
kein ökologischer Grundfaktor, sondern es wirken mehrere Umstände
zusammen. Mit den Methoden, die Wassertiefe zu bestimmen, beschäftigt sich
die Bathymetrie.
Das Litoral
Je flacher ein Gebiet vom Wasser bedeckt ist, desto leichter fällt es bei
ablandigen Winden oder
bei Ebbe trocken. Man nennt diesen Streifen (d.h. das Watt) das Litoral. Nur
bestimmte
Organismen sind an seine speziellen Verhältnisse angepasst, wobei
unterschiedlich ist, wie lange das
Trockenfallen ertragen wird. Deshalb sind die Organismen des
Litorals oft deutlich zoniert.
Tiefere Bereiche
Unterhalb der Niedrigwassermarke wird die Lichtintensität mit zunehmender
Tiefe schwächer. Da die meisten marinen Organismen ihren Innendruck den
äußeren Verhältnissen anpassen können, halten sie selbst
die enormen Drucke der Tiefsee aus, sofern sich die Tiefe, in der sie leben,
nicht allzu rasch ändert. Die Intensität der Wasserbewegung nimmt
normalerweise mit zunehmender Tiefe ab, doch gibt es starke Grundströmungen
noch in großer Tiefe. Gleichzeitig nimmt der Anteil schlickiger Flächen
gegenüber Sand- und Hartböden mit der Tiefe zu. In rezenten Meeren
sinkt auch meist die Temperatur mit steigender Meerestiefe.
![]() |
Bathymetrische (=
Tiefen-) Verbreitung wichtiger Fossilgruppen im Oberjura
von Mitteleuropa. Die Coelenterata (v.a. Korallen) waren esonders auf
das ganz flache, die Bivalvia (Muscheln) und Gastropoda (Schnecken) auf
das flache Wasser beschänkt. Brachiopoden kamen in geringen Anteilen
in vielen Tiefenbeeichen vor. Ammoniten (hier in vier unterschiedlich
farbigen Gruppen dargestellt) kamen im unmittelbaren Küstenbereich
nicht vor. Die gröber berippten und dickschaligeren Aspidoceraten
bevorzugten das nicht ganz so tiefe, die schlanken Haploceraten das etwas
tiefere, die Phyllo- und Lytoceraten das noch tiefere Wasser. |
Zonierung
Die Organismen sind mit der Tiefe zoniert. Ein bekanntes Beispiel der Tiefenabhängigkeit
bilden die heutigen Riffkorallen. Bei
ihnen ist es die Intensität der Wasserbewegung und damit die Versorgung
mit frischem Wasser, welche die Verbreitung der Arten kontrolliert. Auch bei
Fossilien lassen sich Tiefenstufen erkennen. Manche Ammonitengruppen im Oberjura
und in der Kreide kommen nur in bestimmten Bereichen vor oder haben doch dort
ihren Schwerpunkt (siehe Abbildung oben).
Diversität (Artenreichtum)
Das Angebot an organischer Nahrung nimmt mit steigender Tiefe allmählich
ab, entsprechend sinkt auch die Biodiversität.
![]() |
|
Diversität
und Verbreitung verschiedenster Foraminiferengruppen in Abhängigkeit
von der Wassertiefe. Hellbraun = Meeresboden schematisch. Dunkelbraun
= Häufigkeit lebender benthischer Foraminiferen auf dem Meeresboden,
mit steigender Wassertiefe sinkend. Grünfärbungen = Anteile
von Foraminiferengruppen im Bodensediment.
(umgezeichnet nach Brenchley & Harper 1998) |
Kombination von Faktoren:
In der Natur wirkt fast nie
ein Faktor allein auf die Organismen, sondern die verschiedensten Einflüsse
können sich überlagern, ergänzen, verstärken, abschwächen
oder verändern. So kommt z. B. die typische Verbreitung der Riffkorallen
in Anpassung an Licht (Tiefe), Temperatur und Salinität zustande. In
rezenten Meeren leben Organismen, die im polaren Bereich Flachwassertiere sind,
wegen ihrer Temperatur-Abhängigkeit in niedrigeren Breiten oft in größeren
Tiefen. Ein Beispiel ist die Muschel Portlandia arctica, die im Nordpolarbecken
in 10-60 m, in der Norwegischen Rinne und im Skagerrak in 200-600 m und in der
Biskaya in 1400 m und mehr Meerestiefe vorkommt.
(hier zu Teil 1:
Licht, Temperatur, Zirkulation, Sauerstoff, Niederschläge)
(zurück
zu Ökologie allgemein)