Biostratonomie: Fossildiagenese
(Link
zu "Lücken der Überlieferung")
Unter dem Begriff "Fossildiagenese" versteht man das Schicksal eines Lebewesens oder Teiles davon nach seiner Einbettung.
Substanz-Erhaltung:
Nur selten die erhaltene Substanz der Organismenreste unverändert. In ursprünglicher
Substanz erhaltene Fossilien sind in jungen Sedimenten häufig, aber je
älter die Fossilien sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit,
dass sie in irgendeiner Weise umgewandelt wurden. Voraussetzung für
Substanz-Erhaltung ist ein Sediment, in dem die Zirkulation der Porenwässer
auf ein Minimum herabgesetzt ist.
Lösung:
Vor allem in gröberklastischen Sedimenten (z.B. Sandsteinen) werden Organismenreste
oft durch zirkulierendes Porenwasser aufgelöst, wobei neben reinem Wasser
auch Säuren und Basen wirksam sind. Meist löst sich zuerst der Aragonit,
später Calcit, Calciumphosphat oder Skelettopal. Die Folge ist eine Selektion
der Fossilien nach dem Chemismus ihres Skelettes.
Molekulare
Umsetzungen:
A) Eine Umkristallisierung, die den Chemismus eines Fossils nicht verändert,
kann z.B. geschehen, wenn instabile Modifikationen einer Substanz (z. B. Aragonit)
im Laufe der Zeit in die stabilen Modifikationen (z. B. Calzit) transformiert
werden. Bei der paramorphen Transformation bleibt sogar der Feinbau der Skelette
(z.B. die Schalenstruktur) unverändert, aber meist gehen die feineren Details
verloren.
B) Bei der Sammelkristallisation wachsen die gröberen Kristallkeime
in den Skeletten auf Kosten der feineren. Ein Sonderfall dieses Vorgangs ist
die Diagenese der Echinodermen-Skelette, wo die einzelnen Elemente im Leben
aus einem Maschenwerk feiner Calzitbälkchen bestehen und postmortal zu
Einkristallen ergänzt werden. Sammelkristallisation kann mit oder ohne
Umwandlung der Modifikation vor sich gehen.
C) Unter Mikritisierung versteht man die frühdiagenetische Umkristallisierung
von Partikeln in ein kryptokristallines, meist strukturloses Kristallaggregat.
D) Beim Stoffaustausch wird die ursprüngliche Skelett-Substanz durch
einen chemisch anderen Stoff ersetzt (Metasomatose). Verbreitet sind hierbei
Verkieselung (mit SiO2), Verkalkung (mit CaCO3) und Verkiesung (mit FeS2). Verkieselung
beginnt oft punktförmig und breitet sich dann konzentrisch aus (Silifikationsringe).
Die Verkalkung betrifft vor allem primär kieselige Reste und ist vor allem
in Karbonatgesteinen bei alkalischem Milieu verbreitet. Die Verkiesung (Ersatz
des primären Skelettes durch Pyrit oder Markasit, FeS2) ist besonders in
feinklastischen Sedimenten (Tone) bei reduzierendem Milieu und stagnierendem
Porenwasser anzutreffen.
E) Bei der Inkohlung geht die pflanzliche Substanz (Zellulose, Lignin)
bei der Fossildiagenese eigene Wege: Wird der Zutritt von Sauerstoff behindert,
so setzt Inkohlung ein, d. h. relative Anreicherung von Kohlenstoff und Verarmung
an Sauerstoff und Wasserstoff. Dabei wird Methan, Wasser und CO2 frei. Unter
erhöhter Temperatur und bei erhöhtem Druck geht der Prozess bis
auf fast reinen Kohlenstoff weiter (Verkohlung).
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Imprägnation eines Wirbeltierknochens (A-B) und Inkrustation einer Schale (C-E). (umgezeichnet nach Ziegler 1972) |
Imprägnation:
In den Poren organischer Hartteile schlagen sich oft Substanzen nieder,
die diese imprägnieren. Verbreitete Imprägnationsmittel sind Kalk,
Kieselsäure und Baryt (Schwerspat).
Inkrustation:
Hartteile können von Krusten überzogen werden, man nennt das dann
gern "Mumien", ein Begriff, der genetisch aber eigentlich unangebracht
ist. Die Krusten entstehen durch die Tätigkeit von Algen (meist Blaugrün"algen"
oder besser Cyanobakterien) oder durch Ausfällung von Material (meist Kalk)
aus übersättigter Lösung.
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Die Entstehung von Steinkernen, Hohlformen, Abdrucken, Kristalldrusen und fossilen "Wasserwaagen". (umgezeichnet nach
Ziegler 1972) |
Steinkern:
Als bezeichnet man den Ausguss des Inneren einer Schale, entweder mit dem
umgebenden Sediment oder - bei dicht schließenden Schalen, in die kein
Sediment eindringen kann - mit einer Kristallfüllung ("Druse"),
die aus wäßrigen Lösungen ausgeschieden wird (meist Calcit).
Ist die Schale nur teilweise sedimenterfüllt und im übrigen auskristallisiert
oder hohl, zeigt dieses Gefüge als "fossile Wasserwaage" das
Oben und Unten an. Wenn in dicht schließenden Schalen nichts abgelagert
oder auskristallisiert wird, und löst sich nach der Verfestigung des Gesteins
die Schale selbst auf, so entstehen Hohlformen.
(Klicken
Sie hier für eine Animation zur Entstehung einer fossilen Wasserwaage !)
Steinkerne aus Schwefelkies (Pyrit oder Markasit) entstehen oft in tonigen,
schlecht durchlüfteten Sedimenten (Sauerstoffarmut), füllen auch oft
nur die schwer zugänglichen Schalenteile (innerste Windungen von Cephalopoden,
Spitzen von Schneckengehäusen usw.) und täuschen so Zwergwuchs der
Faunen vor.
Steinkerne werden zumeist frühdiagenetisch gebildet, deshalb müssen
Steinkerne, auf denen Bewuchs sitzt, nach ihrer Bildung wieder freigelegt worden
sein.
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Bespiele für Steinkern, Schalen und Abdruck und deren Verhältnisse. Unterschiede in der Skulptur von Schale und Steinkern bei dickschaligen Organismen, hier ist auch ein sogenannter Skulptur- oder Prägesteinkern möglich. (umgezeichnet nach Ziegler 1972) |
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Typisches Beispiel
für eine fossilführende Konkretion, die nach ihrem Aufschlagen
den Inhalt sichtbar werden lässt. |
Konkretionen
sind örtliche Zusammenballungen ursprünglich gleichmäßig
verteilter Stoffe, meist Kalk oder Kalkmergel, Toneisenstein (Tone und Siderit),
Kieselsäure, Schwefelkies (Pyrit, Markasit) oder Phosphorit. Vielfach umschließen
sie organische Reste. Das Konkretionsmittel erfüllt entweder nur den Porenraum
des Sedimentes (bei den meisten Kalkkonkretionen), es kann durch Stoffaustausch
aber auch Raum gewinnen (z. B. bei Kieselkonkretionen) oder durch seinen Kristallisationsdruck
das Muttergestein aktiv verdrängen (z.B. bei Markasitkonkretionen). Die
Bildung der Konkretionen kann ausgelöst werden durch verwesende organische
Substanz ("Verwesungskalk"), durch geänderte Löslichkeitsverhältnisse
bei aufsteigenden Porenwässern oder durch Stoffwanderung zu Orten größerer
Keimdichte.
- Die meisten Kalk-Konkretionen entstehen, wenn sich der in den Sedimenten vorhandene
Kalkanteil in alkalischem Milieu konkretionär zusammenballt, wobei kalkige
Hartteile sind als Kristallisationszentren bevorzugt werden.
- Toneisenstein-Konkretionen hingegen brauchen zu ihrer Entstehung ein reduzierendes
Milieu. Man nimmt an, dass Porenwässer Eisen lösen und nahe der
Sedimentoberfläche wieder ausscheiden.
- Phosphorit-Konkretionen treten rein oder in Ubergängen zu Toneisenstein-
und Kalkkonkretionen auf, sie sind bei stagnierender Sedimentation und phosphathaltigen
Auftriebswässern häufig und oft an tierische Resten und Kot gebunden.
- Schwefelkies entsteht in reduzierendem Milieu bei Anwesenheit von Eisenionen
und H2S im Überschuss. Es kommen sowohl Pyrit (regulär, stabil)
als auch Markasit (rhombisch, instabil) als Konkretionsmittel vor.
- Kieselkonkretionen (Feuerstein, Flint, Hornstein, Silex) beziehen ihren Rohstoff
aus der Auflösung kieseliger Organismenschalen, aus fein verteiltem sedimentärem
Si02 oder aus vulkanischem Si02. Sie bilden sich oft sehr früh, in Abhängigkeit
von organischen Resten, aber die Mobilisierung des SiO2 ist nur in basischem
Milieu möglich.
Frühdiagenetische Konkretionen (d.h. sehr kurz nach der Ablagerung der
Sedimente entstanden) sind für die Erhaltung von Fossilien besonders wichtig.
Sie umhüllen diese und schützen sie vor Zerstörung.
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Die Kompaktion von Gesteinen (bei Tonsteinen bis zu 70 % !) ruft eine unterschiedliche Deformation darin eingeschlossener Fossilien hervor, je nachdem, in welcher Lage dieses eingeschlossen wurde und wie stark kompaktierbar das Fossil überhaupt noch ist (hier Beispiele von noch stark kompaktierbaren Formen). (umgezeichnet nach Ziegler 1972) |
Deformation:
Hierunter versteht man Veränderungen
der Form eines Fossils nach der Einbettung, etwa wenn ein Sediment zusammen
mit dem eingeschlossenen Fossil belastet und entwässert wird und dabei
zusammensackt (kompaktiert wird). Kann
das Fossil ausweichen und besteht es aus beweglichen Teilen, so werden die einzelnen
Elemente gegeneinander geschert. Sind dagegen Schalen, Panzer oder Knochen einheitlich
und festgefügt, so gehen sie zu Bruch. Oft sind Hartteile, deren Äußeres
intakt erscheint, in sich zerbrochen, wie Schliffe erkennen lassen.
Bei bruchloser Deformation von Hartteilen wird ihr inneres Gefüge durch
Lösung so gelockert, dass die einzelnen Kristalle frei gegeneinander
beweglich sind. Gewölbte Schalen können so in eine Ebene gepresst
werden. Solche bruchlose Deformation von Steinkernen ist bei der Sackung des
plastischen Sedimentes verbreitet.
Auch die tektonische Deformation beansprucht die im Sediment eingeschlossenen
Fossilien durch Verzerrung, Streckung oder Zerreißung. Teilweise werden
diese dann von der Tektonik für die Berechung von Spannungsmustern eingesetzt.
Korrosion ist die Anlösung
eines Körpers durch Wasser, Säuren oder Basen und vor allem dann verbreitet,
wenn eingebettete Fossilien submarin wieder freigelegt werden. Häufig wird
dann der über die neue Sediment-Oberfläche emporragende Rest gekappt.
Flächenhafte Korrosion am Meeresgrund nennt man Subsolution.
Eine Korrosion ist auch möglich, wenn Organismen innerhalb des Sediments
durch aufsteigende Porenwässer angelöst werden. Auch die Verwitterung
korrodiert, wobei vor allem das CO2 im Regenwasser löst.
Die diversen fossildiagenetischen
Prozesse führen zu sehr bedeutenden Lücken
der Überlieferung von Gesamtfaunen und -floren einzelner Zeitscheiben
und Lebensräume. Dies muss bei Rekonstruktionen kompletter Biozönosen
und Ökosysteme unbedingt berücksichtig werden.
Die Erhaltung von Pflanzen (ein Beispiel):
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Die Erhaltung von pflanzlichem Material und die Entstehung von "compression borders". (a) Ein hohler Calamites-Stamm (orange) wird mit Sediment (pink) gefüllt. Der Stamm zeigt auf der Innenseite als Rippen den Verlauf der Leitbündel. (b) Nach der Kompression des Sedimentes ist der Stamm zu einer Ellipse deformiert und das Pflanzenmaterial inkohlt (schwarz). (c) Eine Abspaltungsebene kann das Fossil als Steinkern ("Marksteinkern", mit hier nur unten noch anhaftender inkohlter Rinde) freigeben. (d) Sicht auf die Abspaltungsfläche mit geripptem Steinkern und inkohlter Rinde. (e) Ein hohler Stamm ohne innere Berippung wird von innen gefüllt und im Sediment eingelagert. (f) Der komprimierte Stamm und die deformierte sowie inkohlte Rinde formt eine "compression border" (schwarz). (g) Exposition von Stamm und "compression border" auf einer Abspaltungsfläche. (h) Sicht auf die Abspaltungsfläche Steinkern und "compression border". (umgezeichnet nach Brenchley & Harper 1998) |