Biostratonomie: Lücken der Überlieferung
(Link zu "Fossildiagenese")

Normalerweise bleibt nur weit unter 1 % aller Organismen fossil erhalten, wobei je nach Hartteilmineralogie oder überhaupt dem Fehlen bzw. der Existenz von Hartteilen die einzelnen Organismengruppen unterschiedlich betroffen sind. Von rein weichkörperigen Tieren und Pflanzen gibt es nur Zufallsfunde bzw. Funde in größerer Zahl nur in speziellen Fossillagerstätten. Lebewesen mit Skeletten haben demgegenüber größere Chancen, erhalten zu bleiben, aber auch sie sind oft nur lückenhaft überliefert.

Die Verbreitung von Hartteilen (generell, hier ohne spezifische Mineralogie) in den Stämmen des Tierreiches steht in enger Beziehung zu deren Häufigkeit im Verlaufe der Erdgeschichte. Dies verdeutlicht die Lückenhaftigkeit in der Überlieferung.

(umgezeichnet nach Ziegler 1972)

Manche Organismen sind auch wegen ihrer Lebensweise besonders selten erhalten, weil sie nach dem Tode überdurchschnittlich rasch zersetzt werden (tropische Urwälder, turbulenten Meereszonen, Luftraum).
Ein weiteres Problem ist die Geologie: Vom Gesamtgebiet, in dem zu einer bestimmten Zeit Sedimente mit Fossilien abgelagert wurden, liegen heute jeweils nur kleinste Ausschnitte an der Erdoberfläche vor, der größere Teil ist abgetragen oder unter jüngeren Schichten verborgen. Wenn Lebensweise, Lückenhaftigkeit der Aufschlüsse und scheinbares Fehlen eines Biotops zusammenspielen, können von ganzen Organismengruppen über längere Zeiträume Belege fehlen, obwohl sie zur betreffenden Zeit gelebt haben müssen (bei Wiederauftauchen als "Lazarus-Taxa" bezeichnet). Auch entgehen unscheinbare Fossilgruppen wegen ihrer Dimensionen, ihres Chemismus oder ihrer Unauffälligkeit oft der Suche.
Dies alles bedeutet, dass nur häufige Formen und solche aus Lebensräumen mit günstigem Erhaltungspotential normalerweise fossil zu erwarten sind. Von der gesamten vorzeitlichen Lebewelt ist nur ein Bruchteil erhalten !