Weiter oben ist bereits die Reidschen Scherbruchhypothese Reidsche Scherbruch-Hypothese (elastic rebound theory) erwähnt worden. Danach sammeln sich in der Kruste elastische Spannungen so lange an, bis an einem bereits geschwächten Bereich, die Bruchspannungsgrenze erreicht wird: es entsteht ein Scherbruch. Er breitet sich mit Geschwindigkeiten von 2 bis 3 km/s aus. Man beobachtet, wie bereits dargestellt, die typischen Quadranten, in denen Kompressions- bzw. Dilatationsimpulse ausgehen.
Der Punkt auf der Herdkugel (siehe oben), an dem der Strahlverlauf zwischen Erdbebenherd und Messstation diese durchdringt, läßt sich berechnen, wenn die geographischen Koordinaten des Bebens und der Station bekannt sind. Dabei ist der Verlauf des Strahles im Erdinneren bei gegebener Verteilung der Geschwindigkeiten von Kompressions- und Scherwellen bestimmt. Auf der Herdkugel konstruiert man zwei rechtwinklig zueinander stehende Großkreise, die möglichst widerspruchsfrei Kompressions- und Dilatationssignale trennen. Eine der beiden Knotenebenen ist die Bruchfläche, deren räumliche Orientierung damit festgelegt ist. Da das Resultat doppeldeutig ist, werden zusätzliche seismische Informationen benötigt.
Für die graphische Darstellung der Bruch- und Hilfslinie wird die untere Hälfte der Herdkugel auf eine Tangentialebene abgebildet: man hat die Herdflächenlösung erhalten. Mit ihr erkennt man direkt, um welchen Typ einer tektonischen Bewegung es sich beim Erdbeben gehandelt hat. Die wichtigsten Herdflächenlösungen sind in der Abbildung oben dargestellt. Dynamisch noch wichtiger als die BEstimmung der räumlichen Lage eines Erdbebens, ist die Orientierung des Spannungsfeldes, das das Erdbeben verursacht hat. Die Abbildung oben enthält somit auch die tektonisch relevanten Arten von auftretenden Brüchen auf der linken Seite.